Handschriften und historische Drucke

Handschriften aus aller Welt, einzigartige Exemplare wie den Thesaurus Picturarum, interessante Zeitdokumente aus Politik, Gesellschaft, Kultur und Religion. Inkunabeln und historische Drucke komplettieren die Dokumentation über das Leben, Arbeiten, politische Aktivitäten und religiösem Zeitgeist in Mittelalter und der Frühen Neuzeit.

Rotes Samtbuch - Gerhard G. pixabay
Bild: pixabay.com: Gerhard G.

Handschriften und Inkunabeln

Knapp 4.000 Handschriften aus Mittelalter und Früher Neuzeit, mehr als 2.000 Inkunabeln sowie über 100.000 historische Drucke vor 1800 sind im Besitz der ULB Darmstadt.

Handschriften

Die Bestände gehören dem frühen Mittelalter, Spätmittelalter und der frühen Neuzeit an (zum Beispiel die beiden Nibelungen-Handschriften). Die Gebrauchshandschriften umfassen einen Großteil der Sammlung: liturgische und Gebetbücher aus dem theologischen Bereich sowie juristische und medizinische Bücher. Illuminierte Prachthandschriften sind Besonderheiten, da diese im Regelfall als Auftragsarbeiten erstellt wurden.

Neben der überwiegenden lateinischen Sprache existiert eine größere Anzahl von deutschen, Schwerpunkt 15. Jahrhundert, und mittelniederländischen Handschriften, die aus den Kölner Beständen des Barons Hüpsch stammen. Vereinzelt findet man deutsche Glossen innerhalb lateinischer Texte; außerdem sind einige Fragmente überliefert.

Die Handschriftensammlung der ULB entstand hauptsächlich aus drei Erwerbungsquellen:

1. Bücherkäufe der Landgrafen und Großherzöge
Die Landgrafen sammelten hauptsächlich zeitgenössische Bücher für Ihr privates Lesevergnügen. Die wenigen Handschriften in diesen Sammlungen stammen von einzelnen Privatgelehrten deren Bibliotheken aufgekauft wurden.

2. Klosterbestände aus der Säkularisation
Durch die Säkularisation mussten die Klöster ihre über Jahrhunderte gesammelten und bewahrten Handschriftenbestände an die weltlichen Landesherren abgeben. Die Darmstädter Bibliothek erhielt dadurch die Bestände aus folgenden Klöstern:

  • Südhessen
    • Seligenstadt (Benediktiner)
    • Hirschhorn (Karmeliter)
    • Bensheim (Kapuziner)
    • Dieburg (Kapuziner)
    • Wimpfen (Dominikaner)
  • Westfalen
    Im Reichsdeputationshauptschluss (25.02.1803) wurde der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt der westfälische Klosterbesitz zugewiesen. Dabei handelte es sich um den Bereich des kurkölnischen Herzogtums Westfalen, der die Teile des Sauerlandes umfasste, die 1815 zu preußischem Territorium wurden.
    • Grafschaft (Benediktiner)
    • Bredelar (Zisterzienser)
    • Meschede (adliges Damenstift)
    • Wedinghausen (Prämonstratenser)
    • Ewig (Augustinerchorherren)
    • Glindfeld (Kreuzherren)

3. Sammlung Baron von Hüpsch
Der Kölner Baron von Hüpsch vermacht 1805 Landgraf Ludwig X. (später Großherzog Ludwig I.) seine bedeutende Büchersammlung. Diese beinhaltet eine große Zahl an Provenienzen aus dem Kölner und belgisch-niederländischen Raum sowie vom Mittel- und Niederrhein. Mit ca. 1.000 Handschriften und noch mehr Inkunabeln erhält der Bestand der Hofbibliothek einen enormen Zuwachs..

Bis heute wird die Sammlung durch Zukauf oder Schenkungen erweitert. Buchpatenschaften können helfen, dass stark mitgenommene Exemplare wieder benutzbar werden, damit Forschung und Öffentlichkeit von dem kulturellen Erbe profitieren.

  • Die goldene Bulle
    (Ausfertigung für den Kurfürsten von Köln – 1356/57)
    Wichtiges politisches Zeitdokument, umfasst die Regeln der Königswahl im römisch-deutschen Reich und verbrieft den sieben Kurfürsten als den Wählern des Königs wichtige Privilegien. Sieben Exemplare sind heute noch im Original erhalten.
    Weltdokumentenerbe
    Signatur: Hs 3065
  • Gero-Codex (um 969)
    Das Evangelistar stammt aus der Buchmalerschule des Klosters Reichenau, das die Evangelientexte des Kirchenjahres enthält.
    Weltdokumentenerbe
    Signatur: Hs 1948
  • Hitda-Codex (um 1000)
    Signatur: Hs 1640
  • Pessach Haggada (um 1430)
    Die reich bebilderte Handschrift von Israel ben Meir stammt aus der Sammlung Hüpsch. 58 Blatt Pergament mit hebräischen und aramäischen Texten.
    Signatur: Cod. or. 8
  • Seligenstädter Evangeliar
    Im Kloster Lorsch entstanden.
    Signatur: Hs 1957
  • Thesaurus Picturarum
    33 Bände mit unterschiedlichen Themengebieten, farbigen Zeichnungen und ein Spiegelbild der damaligen Zeit – zusammengetragen von Marcus zum Lamm.
    Signatur: Hs 1971

Datenbanken

Nachschlagewerke im Forschungslesesaal

  • Beschreibungen der noch nicht katalogisierten Handschriften
  • Titellisten der Handschriften nach Signaturenfolge

Inkunabeln und historische Drucke

Rund 40 Kilometer von Darmstadt entfernt entwickelte Johannes Gutenberg um 1450 den Buchdruck. Die bis Ende 1500 entstandenen Druckwerke werden als Inkunabeln oder Wiegendrucke bezeichnet. Mit dieser Erfindung konnten Publikationen schnell, in einer hohen Auflage und zeitgleich an eine große Leserschaft gebracht werden. Eine Herausforderung dieser Erfindung bestand darin, die kunstvoll gearbeiteten Handschriften durch genauso künstlerisch wertvolle Drucke zu ersetzen. Viele Exemplare dieser Buchdruckkunst sind im Bestand der ULB.

  • Biblia latina (1462)
    Signatur: Inc-V-15
  • Das Narrenschiff (1494)
    Kolorierte Ausgabe „Niv-Schiff von Narragonien“ von Sebastian Brant (1458-1521)
    Signatur: Inc-II-218
  • Der Schatzbehalter (1491)
    Ausgabe von Stephan Fridolin (1430-1498) mit Holzschnitten stammen von Michael Wohlgemuth und Wilhelm Pleydenwurff.
    Signatur: Inc-IV-440
  • Heldenbuch (1479)
    Zahlreiche Holzschnitte
    Signatur: Inc-III-27
  • Melusine (ca. 1473/74)
    Thüring von Ringoltingen (1415-1483) hat mit dieser Ausgabe den französischen Versroman von Couldrette übersetzt und neubearbeitet.
    Signatur: Inc-IV-94
  • Flora Graeca (1806-1840)
    Diese 1. Auflage von John Sibthorp ist das einzige komplette Exemplar in Deutschland. In den 10 handkolorierten Bänden wird die Flora Griechenlands dargestellt.
    Signatur: gr. Fol. 3/340
  • Hortus Semper Virens (1795-1829)
    Ein botanisches Fachbuch über die Pflanzen auf der Erde von Johann Simon Kerner mit Widmung an den Großherzog Ludewig I. von Hessen-Darmstadt.
    Signatur: gr. Fol. 1/77

Datenbanken

Kataloge im Forschungslesesaal

  • Inkunabelkatalog von Adolf Schmidt (Bibliotheksdirektor 1904–1923)
    Bibliografische Beschreibungen der Inkunabeln nach Signaturenfolge

Weitere Rechercheinstrumente für die historischen Bestände

  • Schleiermacher Kataloge
    Die Zettelkatalog ist wichtig für die Recherche nach Beständen im Zeitraum 1500-1900. Der Bandkatalog weist die Kriegsverluste der Darmstädter Bibliothek für historische Drucke ab 1501 aus.
    (Andreas Schleiermacher 1811-1830 verantwortlicher Bibliothekar der Großherzoglichen Hofbibliothek)
  • Briefkatalog
    Einzelbriefe und Briefe aus Nachlässen
  • Rara-Katalog
    Unter besonderer Berücksichtigung der Pressendrucke, Ordnung nach Künstlern, Pressen, Drucktypen, Einbandgestaltung etc.
  • Einbandstempelkartei
    Spätgotische Einzelstempel, sowie Rollen und Platten, nach Signaturen, Motiven und Provenienzen
    Datenbank mit über 740 Durchreibungen aus den Beständen der ULB.
  • Exlibriskartei
  • Provenienzkartei
  • Büchner Bibliographie
    Das elektronische Nachschlagewerk für Büchner-Literatur und Artikel, Aufsätze usw. zu und über Georg Büchner
Einblick in den Schleiermacherkatalog