Bericht OA-Woche 2019

Bericht zur Open-Access-Woche 2019

Am 21. Oktober 2019 bot die TU Darmstadt im Rahmen der Open-Access-Woche bei mehreren Veranstaltungen Gelegenheit, sich über die neue Open-Access-Policy auszutauschen, über konkrete Maßnahmen zur Umsetzung zu diskutieren und den Wandel hin zu Open Access voranzutreiben.

Den Rahmen mit Inhalt füllen – Maßnahmen zur Umsetzung der Open-Access-Policy an der TU Darmstadt

In der öffentlichen Sitzung der AG Open Access fasste die Vorsitzende Frau Prof. Dr. Rapp die Meilensteine auf dem Weg vom ersten Entwurf der Open-Access-Policy vor einem Jahr bis zur Verabschiedung im Präsidium am 29.08.2019 kurz zusammen. Die OA-Policy steht auf den Webseiten des Präsidiums und der ULB im Volltext zur Verfügung. Nun gilt es, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei der Umsetzung der Policy zu unterstützen und den Open-Access-Gedanken weiter zu stärken.

Bei der Nutzung und Erstellung von Lehrmaterialien als OpenLearnWare werden die Lehrenden beratend und technisch durch die Hochschuldidaktische Arbeitsstelle (HDA) unterstützt. Bei Publikationsvorhaben – von Bachelorarbeit über Dissertation bis zum Zeitschriftenartikel – können TU-Angehörige auf die Angebote der Universitäts- und Landesbibliothek (ULB) zurückgreifen. Alle Anwesenden sind sich einig, dass weitere Maßnahmen nötig sind und je nach Fachkultur unterschiedliche Probleme und Ansätze berücksichtigt werden müssen, um einen „Kulturwandel“ zu erzielen – damit auch Open Access als normaler und wichtiger Veröffentlichungsweg angesehen wird. Der Prozess kann nur erfolgreich sein, wenn sich alle Akteure aus Universitätsleitung, HDA, ULB, Verwaltung und den Fachbereichen vernetzen.

Die Idee, eine OA-Beauftragte oder einen OA-Beauftragten aus den Reihen der Professorinnen und Professoren einzusetzen, um aus der Wissenschaft heraus Ängste zu nehmen, als Motor positive Entwicklungen voranzutreiben und Maßnahmen innerhalb der Universität zu koordinieren, wurde sehr positiv aufgenommen. Noch ist diese Rolle nicht definiert.

Preiswürdige wissenschaftliche Beiträge können Vorbildfunktion entfalten, wenn sie konsequent im Volltext frei zugänglich sind (mindestens als Zweitveröffentlichung in TUprints). Die Zahl an Zweitveröffentlichung soll durch gezielte Informationen und Services deutlich erhöht werden.

Eine Publikationsrichtlinie wird zukünftig dabei helfen, den Forschungsoutput der TU besser sichtbar zu machen, indem sie konkrete Vorgaben zu Dokumentformat und standardisierter Angabe der Institute / Fachgebiete macht. Dadurch können bei automatisierten Abfragen die Publikationen eindeutig der TU Darmstadt zugeordnet werden.

Abschließend empfahl Frau Rapp, die OA-Woche als festes Format an der TU beizubehalten, weiterhin zur Information zu nutzen und schrittweise auf Open Science, Open Data und nachhaltige Wissenschaft zu erweitern.

Die Angebote der TU für Open Access (OA) und Open Eductional Resources (OER)

… wurden von den Expertinnen und Experten der ULB und der HDA an Informationsständen präsentiert. Interessierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler konnten sich demonstrieren lassen, wie das Online-Tool Dissemin ihre Publikationen auf eine mögliche Zweitveröffentlichung hin überprüft und anschließend direkt ins TU-eigene Repositorium TUprints hochlädt.

Qualität, Reputation und Impact : neue Entwicklungen im wissenschaftlichen Publikationswesen

Herr Prof. Dr. Rittberger, stellvertretender geschäftsführender Direktor des DIPF und Professor für Informationsmaganagement an der Hochschule Darmstadt, ermöglichte mit seinem einleitenden Kurzvortrag einen Einblick, wie alternative Metriken (englisch: altmetrics) eine neue Sicht auf Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und deren Arbeit bieten. Im Gegensatz zu bibliometrischen Kennzahlen wie Impact Factor und h-Index erfassen alternative Metriken die Reaktionen auf ein wissenschaftliches Dokument im Netz – in Blogs, Twitter, sozialen und akademischen Netzwerken (z.B. Facebook, Mendeley) oder Nachrichtenkanälen. Jede Art von Dokument kann berücksichtigt/untersucht werden, sofern es eindeutig identifizierbar ist. Die Resonanz im Web ist generell abhängig vom öffentlichen Interesse am jeweiligen Thema. Noch spielen Social Media Kanäle bei der Kommunikation über wissenschaftliche Ergebnisse in Deutschland keine große Rolle. (Präsentation „Alternative Metriken. Ein Beispiel aus der Bildungsforschung“)

Nach diesem Vortrag stellten sich Prof. Dr. Rapp, Prof. Dr. Stäcker, Prof. Dr. Rittberger, Prof. Dr. Gius und Prof. Dr.-Ing. Anderl auf dem Podium den Fragen von Moderator Prof. Dr. Schmunk zum Thema Qualität, Reputation und Impact.

Häufig argumentieren OA-Kritiker mit Qualitätsaspekten. Die Frage, wie Qualität gemessen wird, wurde von Herrn Anderl und Frau Gius zwar nicht beantwortet, beide betonten aber, dass sich OA und Qualität nicht widersprechen. Wichtig sei es, Qualität neu zu definieren und dabei die Fachcommunity einzubeziehen. Leider reicht das Ansehen von OA-Titeln bei weitem noch nicht an Veröffentlichungen bekannter großer Verlage heran. Die am Begutachtungsprozess Beteiligten könnten OA-Journals aufwerten.

Die Finanzierung ist ein weiteres schwieriges Thema. Herr Stäcker bestätigte, dass keine Ablösung der subskriptionsbasierten Verfahren in Sicht ist. Müssten für alle OA-Beiträge Artikelbearbeitungsgebühren (Article Processing Charges, APC) bezahlt werden, kämen enorm hohe Ausgaben auf die Universität zu. Das Ziel, mit den DEAL-Verträgen die Preisspitzen großer Monopol-Verlage zu kappen, wurde leider nicht erreicht. Kleine Verlage sind kaum noch wettbewerbsfähig und müssen nach Ansicht von Herrn Rittberger dringend durch Wissenschaftseinrichtungen unterstützt werden, bspw. durch Kooperationen und Verträge, die ihnen Technologie für OA-Aktivitäten zur Verfügung stellen und günstige Rahmenbedingungen schaffen. Um OA bezahlen zu können, müssen neue Strukturen aufgebaut, Erwerbungsmittel für subskriptionspflichtige Zeitschriften umgeschichtet und Fördermittel an OA-Publikationen gebunden werden. Ohne die freiwillige Mitarbeit der Fachcommunity können Transformationsprozesse nicht gelingen.

Studien zeigen, dass OA-Artikel häufiger gelesen werden als herkömmliche Artikel. OA-Veröffentlichungen sind also durchaus geeignet, die Reputation der Wissenschaftlerin und des Wissenschaftlers zu erhöhen. Herr Stäcker gab zu bedenken, dass sich trotz offensichtlicher Vorteile wie schneller und weltweiter Verfügbarkeit, Nachnutzbarkeit und eventueller Kostenersparnis viele Forschende gegen Open Access entscheiden. Entscheidend sei die Akzeptanz der Community. Zwei weitere Faktoren ergänzte Frau Rapp: Karrierestand und Transparenz. Die Entscheidung über den optimalen Publikationsweg wird davon beeinflusst, ob der Publizierende am Beginn seiner oder ihrer Laufbahn steht oder bereits erfolgreich ist, und welchen Stellenwert der Faktor Transparenz einnimmt. OA-Veröffentlichungen sind von jedem weltweit einseh- und bewertbar, die Verfügbarkeit ist nicht vom Geldbeutel des Lesers abhängig – mehr Transparenz ist kaum vorstellbar.

Die anwesenden Professorinnen und Professoren räumten ein, dass OA-Veröffentlichungen wegen unterschiedlichster Hürden und Abhängigkeiten nicht immer leicht seien. Trotzdem herrschte auf dem Podium im Hinblick auf grünen OA Konsens darüber, dass eine Zweitveröffentlichung empfehlenswert sei. Frau Gius appellierte dafür, als wichtiger Teil der Community voranzugehen und selbst OA zu veröffentlichen. Herr Stäcker ging noch einen Schritt weiter, indem er forderte, dass OA in Zukunft nicht nur frei verfügbar, sondern durch geeignete Datenformate auch maschinenlesbar und maschinell auswertbar sein müsse, damit die Massen an Literatur überhaupt zu bewältigen und erforschen seien.

Im Anschluss an die Podiumsdiskussion nahmen die meisten Anwesenden die Gelegenheit wahr, sich bei einem Glas Wein auszutauschen und die angerissenen Themen weiterzudiskutieren.