Bericht OA-Woche 2018

Bericht zur Open-Access-Woche 2018

Werbematerial zur OA-Woche

In der Zeit vom 22. bis 28. Oktober 2018 beteiligte sich die TU Darmstadt mit Veranstaltungen an der Internationalen Open-Access-Woche, welche dieses Jahr unter dem Motto „Designing Equitable Foundations for Open Knowledge“ (dt.: „Gleichberechtigte Grundlagen für offenes Wissen schaffen“) stand.

Das Konzept, die Veranstaltungen jeweils mit einem Lunch zu verbinden, ging auf. Der „Open-Access-Lunch“ wurde von allen Teilnehmern genutzt, noch tiefergehender in die Themen einzusteigen und sich miteinander zu vernetzen.

Interview "Open Access - Ein Thema für die TU Darmstadt"

Open Access – Ein Thema für die TU Darmstadt

Den Auftakt der Veranstaltung machte ein Interview mit dem Titel „Open Access – ein Thema für die TU Darmstadt“. Moderiert wurde die Veranstaltung von dem Leiter der Hochschuldidaktischen Arbeitsstelle, Tobias Blank. Als Interviewpartner stellten sich die Vizepräsidentin der TU Darmstadt Prof. Dr. Andrea Rapp, der leitende Bibliotheksdirektor der ULB, Prof. Dr. Thomas Stäcker sowie der Direktor des FiF, Prof. Dr. Joseph Wiemayer, die Fragen.

Nach einleitenden Worten von Andrea Rapp sprach Thomas Stäcker über die Unterzeichnung der Berliner Erklärung und die verschiedenen Wege von Open Access (grün, gold, diamond). Prof. Rapp erläuterte die Weiterentwicklung der Wissenschaftskultur und das Bündeln von Informationsangeboten. Sie berichtete ferner von der Gründung der AG Open Access der TU Darmstadt in der letztjährigen Open-Access-Woche und lud zu der öffentlichen Sitzung dieser AG ein, die am 25.10.18 stattfand. Prof. Stäcker sprach darüber, dass Open Access nun verstärkt diskutiert wird, da die Kosten der Subskriptionssysteme der Verlage nicht mehr tragbar sind. Laut Andrea Rapp eröffnet das Internet neue Möglichkeiten durch bessere Technik, wodurch auch fernab der Verlagswelt eine schnellere und breitere Veröffentlichung möglich ist. Auch dies sei ein Grund für die neuen Diskussionen. Nichtsdestotrotz sei es in der TU selbstverständlich auch eine Frage der Finanzen, dass man nun neue Wege gehen müsse. Die Wissenschaft der Zukunft entwickle sich immer mehr zu einer Datenwissenschaft (Primärdaten, Forschungsdaten etc.). Man solle sich gut überlegen, ob man die Datenhoheit abgeben und sie den konventionellen Verlagen überlassen wolle, nur um diese dann wieder über Subskritptionsmodelle zurückzukaufen. Hier sei ein Umdenken an der Zeit, so Rapp. Auf die Frage an Prof. Wiemayer, welche Vorschläge er dem Präsidium geben würde, wenn er Berater der TU Darmstadt wäre, teilte dieser mit, dass die TU Darmstadt bereits auf einem sehr guten Weg sei. Allerdings sei auch eine neue Positionierung auf größerer Basis notwendig. Der Impactfaktor wurde während des Interviews mehrmals als schwieriges und veraltetes Instrument der Bewertung für Wissenschaft benannt. Hier müsse an den Institutionen ein Umdenken stattfinden. Ein Wunsch von Andrea Rapp wäre, dass sich die Wissenschaft zukünftig selbst bewertet und nicht mehr so extrem abhängig von Rankings einzelner Zeitschriften ist. Auf die Frage hin, ob man nun mit Open Acces alle Probleme gelöst habe, erläuterte Rapp, dass Open Access ein Baustein der Lösung sein kann. An dieser Stelle wurde eine Studie des Max-Planck-Instituts erwähnt, nach deren Berechnung Open Access nur eine Kosten-Umverteilung ist und die gleiche Summe wie im bisherigen Verlagswesen aufgebracht werden muss, da auch hier Investitionen in Produktion, Infrastruktur, Redaktionen, Organisation von Peer-Reviews sowie Dienstleistungspartner nötig sind.

Open Access Lunch mit Prof. Wiemeyer und anderen Wissenschaftlern der TU Darmstadt

Am Ende des Interviews wurde ein Blick in die Glaskugel gewünscht: Wir befinden uns im Jahr 2030 und Open Access hat sich etabliert. Worauf freuen sich die Interviewpartner? Zusammengefasst freut man sich auf bessere Vernetzung, die Bündelung von Wissen, neue Karrieremodelle, die Änderung von Rechten, eine Möglichkeit Dokumente intelligent miteinander zu verknüpfen und die Rückkehr zur Sammlung.

ORCID Internationaler Standard für die Autorenidentifikation – Vorteile für WissenschaftlerInnen und Möglichkeiten der praktischen Umsetzung

Am zweiten Tag der Internationalen Open-Access-Woche stand ein Vortrag zur „Open Researcher and Contributor ID“ (ORCID), einem internationalen Standard für Autorenidentifikation, durch Dr. Gernot Deinzer auf dem Programm. Deinzer ist der Open-Acces-Beauftrage der UB Regensburg und Spezialist für Elektronisches Publizieren.

Vortrag durch Dr. Gernot Deinzer zu ORCID

Vorgestellt wurden neben einer allgemeinen Einführung zu ORCID, die Vorteile für WissenschafterInnen, wissenschaftliche Organisationen, Verlage und Bibliotheken. ORCIDs lösen im Zusammenhang mit Veröffentlichungen das Problem von Namensgleichheiten, Namensänderungen und international unterschiedlichen Schreibweisen, indem sie eine eindeutige Zuordnung von AutorInnen zu Veröffentlichungen für Repositorien, Universitäten, Forschungsförderer, etc. ermöglichen. Personenbezogene Daten werden an einer Stelle eingegeben und verwaltet, um anschließend Veröffentlichungen mit verschiedenen Datenbanken (z.B. in Repositorien) zu verknüpfen. Hier gilt das zeitsparende Prinzip „enter once, re-use often“. Alle Daten werden zentral von den AutorInnen gepflegt, die entscheiden können, welcher Teil der Daten öffentlich oder für bestimmte, vertrauenswürdige Partner freigegeben wird. Weitere Grundprinzipien von ORCID sind: Offenheit im Sinne einer kostenfreien Nutzung durch AutorInnen, Internationalität, der Verbleib der Rechte eingegebener Daten und deren alleinige Freigabe durch den Nutzer, sowie die Verringerung des Verwaltungsaufwandes durch die Pflege der Daten an einer Stelle. ORCIDs werden mittlerweile von rund 5,5 Mio WissenschaftlerInnen weltweit genutzt und zum Publikationsmanagement seitens Forschungsförderern, Verlagen, fachlichen und universitätseigenen Repositorien, sowie Forschungsinformationssystemen im Sinne einer eindeutigen Zuordnung akzeptiert bzw. von einigen Verlagen bereits zur verpflichtenden Angabe gemacht.

Die Vorteile liegen nach erfolgreicher Implementation vor allem in der Einsparung von Zeit und Kosten. Sofern die ORCIDs bereits in die Identifikationssysteme der Universitäten integriert sind und eine Verknüpfung zwischen AutorInnen und Veröffentlichungen besteht, sind das Publikationsmanagement und die Datensynchronisation bei Änderungen in eigenen Repositorien durch einfache Updates möglich. Die zentrale Anlaufstelle für ORCID in Deutschland ist das DFG-geförderte Projekt ORCID-DE aus dem heraus das ORCID-Konsortium entstand. Dieses verwaltet die Mitgliedschaften wissenschaftlicher Einrichtungen in Deutschland, unterstützt Einrichtungen bei der Implementation von ORCID und informiert regelmäßig über aktuelle Entwicklungen und Aktivitäten rund um ORCID. An der Weiterentwicklung und Verbreitung von ORCID mitzuwirken, bietet Mitgliedern neben den Vorteilen im Rahmen der Publikationsverwaltung für WissenschafterInnen und wissenschaftliche Einrichtungen, die Möglichkeit das Prinzip des Offenen Standards im Sinne der Open Access Bewegung zu unterstützen. Im zweiten Teil seines Vortrages berichtete Gernot Deinzer über die Einführung von ORCID an der UB Regensburg, die erforderlichen Schritte und entstandenen Vorteile auf technischer und politischer Seite.

Einen Überblick zum aktuellen Stand der Einführung von ORCID an der TU Darmstadt gab im Anschluss Dr. Wolfgang Stille, Leiter der Elektronischen Informationsdienste an der ULB. Das Präsidium der TU Darmstadt hat sich für eine baldige ORCID-Mitgliedschaft entschieden. Derzeit werden Vorbereitungen für die technische Einführung getroffen und Konzepte entwickelt. Sobald die Bereitstellung der Mittel erfolgt, wird im Jahr 2018 in Kooperation mit dem Hochschulrechenzentrum die Einführung von ORCID als Teil des Identifikationsmanagementsystems der TU Darmstadt implementiert und anschließend auch mit den Publikations- und Forschungsdatenmanagementsystemen der ULB verknüpft.

Öffentliche Sitzung der AG Open Access Policy

Workshop OpenIng und „Einen Rahmen für Open Access an der TU Darmstadt schaffen“

Den Endspurt der Open-Access-Woche bildeten der Workshop OpenIng (Open Access und Open Educational Resources in den Ingenieurwissenschaften) und die öffentliche Sitzung der AG Open Access. In der Sitzung ging es um den Entwurf für die Open-Access-Policy der TU Darmstadt. Zu Gast war die Juristin und Professorin für Open Access und Open Data an der FH Potsdam Ellen Euler mit zwei Studierenden. Im Rahmen eines Seminars am Fachbereich Informationswissenschaften der FH Potsdam wird die Einführung wissenschaftlich untersucht und begleitet. Die Studierenden stellten die Ergebnisse des Projektes vor. Ein wichtiger Punkt, der sofort von der AG aufgenommen wurde, war das Fehlen einer Erwähnung der Open Educational Resources im Entwurf der Policy. Der TU Darmstadt wurde attestiert, dass sie schon viele wichtige Elemente für eine erfolgreiche Open-Access-Implementierung umsetzt. In der anschließenden Diskussion wurde noch einmal herausgestellt, dass es Handlungsdruck durch Drittmittelgeber gibt. Die Open-Access- Policy soll nach Klärung letzter offener Punkte bald in den Senat eingebracht werden