Thesaurus Picturarum | Hs 1971

Markus zum Lamm sammelte über mehrere Jahre politische, gesellschaftliche und naturwissenschaftliche Veröffentlichungen in Text und Bild. Diese wurden als Thesaurus Picturarum in 33 Bänden zusammengefasst, die die Zeit des ausgehenden 16. Jahrhunderts widerspiegeln. Die Bände kamen 1644 in die Großherzogliche Hofbibliothek und waren ein Geschenk des Landgraf Georg II. von Hessen-Darmstadt (1605-1661) an seine Frau, Landgräfin Sophie Eleonore (1609-1671).

Marcus zum Lamm (der Jüngere) wurde am 3. März 1544 in Speyer geboren. Wie schon sein Vater (Jurist und Speyrer Stadtsyndikus) und Großvater (Advokat am Reichskammergericht) wandte er sich den Rechtswissenschaften zu. Er studierte in Frankreich (Poitiers) und konvertierte zum reformierten Glaubensbekenntnis.

Als Calvinist hatte er jedoch einen schweren Stand im lutherisch geprägten Heidelberg. Erst 1584 erhielt er seine Stelle als Kirchenrat zurück. Er begann nun Streitschriften gegen das Luthertum zu verfassen. In diesem geschichtlichen Kontext muss auch die Zusammenstellung des Thesaurus Picturaum gesehen werden. Es ist eine Zeit der konfessionellen Konflikte nach der Reformationsbewegung. Der Thesaurus enthält viele Flugblätter und Zeichnungen, die die römisch-katholische und die lutherische Kirche teils kritisieren teils karikieren.

Das Leben im 16. und 17. Jahrhundert war auch von Kriegen geprägt. Die ausführlichen Schlachtendarstellungen, z. B. des Englisch-Spanischen Kriegs (1585-1604), des sogenannten Langen Türkenkriegs (1593-1606) und des Achtzigjährigen niederländischen Unabhängigkeitskriegs (1568-1648) vermitteln deutlich die unruhige Epoche.

Sowohl die Auswahl der gesammelten Darstellungen und Texte sowie die eigenen Berichte und Kommentare zeigen die Vorlieben und Gesinnung von Markus zum Lamm.

Einen wahren Schatz für die Wissenschaft stellen die eher „weltlichen“ Interessen des Marcus zum Lamm dar. Die Sammlung der Trachtenbände bildet sehr genau die Mode der Zeit aus verschiedenen Schichten und Regionen ab. Schon zu seinen Studienzeiten in Frankreich widmete er sich leidenschaftlich der Vogelkunde. Die drei Vogelbände des Thesaurus (29-31) zeigen sehr detaillierte und farbige Darstellungen sowohl von seltenen, exotischen Exemplaren als auch von häufig vorkommenden Arten. Wetteraufzeichnungen und Berichte zu aufsehenerregenden Ereignissen geben Aufschluss über das Leben in dieser Zeit.

Sein Sohn Marcus Christian zum Lamm (1580-1625) erbte den Thesaurus Picturarum und fügte Ergänzungen hinzu. Die Forschung geht davon aus, dass die heutige Zusammenstellung in 33 Bänden vermutlich von ihm vorgenommen wurde.

Thesaurus Picturarum – Inhalte und Digitalisate

Signatur: Hs 1971
Einige Bände enthielten großformatige Abbildungen, die herausgenommen wurden und in Kästen aufbewahrt werden. In TUdigit – Digitale Sammlung der ULB – sind die Inhalte der Bände und Kästen digital abrufbar.

TUdigit Titel Großformate
Band 1
Band 2
Gallica Kasten 1
Band 3 Galliae reges et principes
Band 4
Band 5
Palatina Kasten 1
Kasten 8 | Band 4
Band 6 Saxonica, Badensia, Argentina Kasten 2
Band 7 Brabantica et Batavica Kasten 2
Band 8
Band 9
Belgica Kasten 3
Band 10 Anglica, Canica, Polonica Kasten 3
Band 11
Band 12
Band 13
Band 14
Ungarica Kasten 4 | Band 11-13
Kasten 5 | Band 14
Band 15 Turcica Kasten 5
Kasten 8
Band 16 Hispanica, Anglica, Polonica, Julia censi Kasten 5
Band 17 Imperatores et electores Kasten 6
Band 18 Patres Kasten 6
Band 19 Pontifices Kasten 6
Band 20 Theologi reformati Kasten 6
Band 21 Jurisconsulti
Band 22 Philosophi, Poetae, Musici, Pictores
Band 23 Trachten
Band 24 Einzüge Kasten 7
Band 25 Antichristiana Kasten 7
Kasten 8
Band 26 Stirps regia Christi
Band 27 Prodigia et monstra Kasten 7
Band 28 Calumniae et Sycophantiae in bonos viros religionis Lutheranae Kasten 7
Band 29
Band 30
Band 31
Aves Kasten 7 | Band 31
Band 32 Imagines Kasten 7
Band 33 Zusatzband

Lipperheidesche Kostümbibliothek

Insgesamt 108 Blatt mit 76 kolorierten Trachtenbildern sowie zwei Abbildungen von Walfischen, eine Abbildung mit Totenbahre und ein Kupferstich aus dem Thesaurus Picturarum befinden sich in der Kunstbibliothekder Staatlichen Museen zu Berlin. Mit dem Suchbegriff „Trachtenbuch“ sind diese und andere Trachtenabbildungen in den Digitalen Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin auffindbar.

Das „Trachtenbuch mit rotem Sammetband“ kam ca. 1891 in den Besitz von Franz Lipperheide und wird unter Lipp OZ 1 geführt.