Grönland im Fokus der Weltpolitik
EDZ-Dossier

Grönland ist Europas Tor in die Arktis. Das Gebiet zwischen Polarkreis und Nordpol, liegt an der Schnittstelle dreier Weltregionen: Nordamerika, Russland und Europa. Die größte Insel der Welt (2,2 Milionen km2) zwischen Arktis und Nordatlantik und mit 57.000 Einwohner:innen, steht seit einiger Zeit wieder im Fokus der Weltaufmerksamkeit.

Seit der US-Präsident Donald Trump Grönland kaufen will, steht Grönland im Zentrum geopolitischer Spannungen zwischen den USA und Europa.

Globus mit dem Aussschnitt von Grönland und der näheren Umgebung
Bild: PIRO4D | pixabay.com

Die geopolitische, wirtschaftliche und militärische Bedeutung Grönlands

Seine strategische Lage, zahlreiche Bodenschätze und der US-Stützpunkt Pituffik Space Base (früher: Thule Air Base), von dem aus der Weltraum überwacht wird, machen Grönland geopolitisch, militärisch und wirtschaftlich bedeutend.

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Im Jahr 1721 wurde Grönland dänische Kolonie. Mitte des 20. Jahrhundert wurde der Status Grönlands als Kolonie hinterfragt und im Jahr 1953 etablierte Dänemark Grönland als gleichberechtigte Provinz innerhalb des Königreichs Dänemark.

In den Jahren 1978/79 wurde in Grönland eine Art Selbstverwaltung die Hjemmestyre („Heimverwaltung“) eingeführt, basierend auf den sogenannten „Greenland Home Rule Act“. Dieser gewährte Grönland erstmals gewisse Autonomierechte.

Im Jahr 2009 begann für Grönland ein neues politisches Zeitalter. Die erweiterte Autonomie Selvstyre („Selbstregierung“) trat am 12. Juni 2009 in Kraft und ist seitdem vorliegende Regierungsform. „The Act on Greenland Self-Government (wird in neuem Tab geöffnet)“ markierte die zweite Stufe grönländischer Autonomie und ersetzte die 1979 eingeführte Hjemmestyre. Grönland ist heute ein selbstverwalteter Bestandteil des Königreichs Dänemarks und Teil des dänischen Staatsgebietes.

Seit der Selvstyre gelten die Grönländer:innen völkerrechtlich als eigenes Volk, das auch eigenständig über innenpolitische Fragen, wie etwa die Verwendung der eigenen Rohstoffe, entscheidet. Grönland hat eigene Wahlen, ein eigenes Parlament und eine eigene Regierung, verfügt jedoch über keine eigene Landeswährung. Die dänische Krone ist gesetzliches Zahlungsmittel.

Als Teil Dänemarks hat Grönland zwei Sitze im Folketinget, dem dänische Parlament. Diese Mitglieder werden in Verbindung mit den dänischen Parlamentswahlen gewählt.
(Quelle: Greenland in Figures 2025 (wird in neuem Tab geöffnet))

Das Inkrafttreten des Selbstregierungsstatuts bedeutet auch, dass Grönland selbständig über eine endgültige Loslösung von Dänemark entscheiden könnte und damit die volle staatliche Unabhängigkeit erlangen könnte.

Für einige Angelegenheiten, wie bspw. Außenpolitik, Verteidigung und Fiskalpolitik ist bis jetzt jedoch die dänische Regierung zuständig.

Grönland ist 1982 nach einem Referendum aus der EG ausgetreten, ist aber mit Dänemark NATO-Mitglied seit 1949. Einen Austritt aus dem nordatlantischen Verteidigungsbündnis gab es nicht.

Durch seine Zugehörigkeit zu Dänemark, das zu den Gründungsmitgliedern der NATO gehört, ist Grönland auch NATO-Mitglied.

Mit Dänemark ist Grönland 1973 in die Europäische Gemeinschaft (EG) eingetreten. Nach einem Referendum 1982, trat Grönland 1985 jedoch wieder aus der EG aus.
Heute ist Grönland als überseeisches Land und Gebiet (ÜLG) des Königreichs Dänemark mit der Europäischen Union (EU) assoziiert.

Nachdem Grönland 1979 die teilweise Selbstverwaltung erlangt hatte, trat es 1985 aus der EG aus.

Zu den Hauptgründen für den EG-Austritt gehörten Streitigkeiten über Fischereirechte. Über 90 Prozent seiner Exporterlöse erzielt Grönland aus der Ausfuhr von Fisch und Fischereiprodukten.
Im Vordergrund stand der Wunsch nach Kontrolle über die eigenen Fischbestände, die Vermeidung gemeinsamer EG-Vorschriften und die Möglichkeit Fischereilizenzen zu verkaufen sowie Fangrechte zu gewähren.


Grönland als EU-assoziiertes Überseegebiet (ÜLG) Dänemarks

Grönland gehört zu den Überseegebieten (EN: Overseas Country and Territory – OCT), die Teil der Hoheitsgebiete der EU-Mitgliedstaaten Dänemark, Frankreich und den Niederlanden sind. Grönland ist über Dänemark mit der Europäischen Union assoziiert, da es selbstverwaltetes Gebiet des Königreichs Dänemark ist.

ÜLGs oder OCTs verfügen im Allgemeinen über eine weitreichende Autonomie, die sich unter anderem auf die Bereiche Wirtschaft, öffentliche Gesundheit, Inneres und Zoll erstreckt, während die Bereiche Verteidigung und Außenpolitik in der Regel in der Zuständigkeit der jeweiligen EU-Mitgliedstaaten verbleiben.

Die Assoziierung zwischen den überseeischen Ländern und Gebieten (ÜLG) und der Europäischen Union zielt darauf ab, die wirtschaftliche und soziale Entwicklung der ÜLG zu fördern und enge wirtschaftliche Beziehungen zwischen ihnen und der EU insgesamt herzustellen. Sie basiert auf Zielen, Grundsätzen und Werten, die den ÜLG, den EU-Mitgliedstaaten, zu denen sie gehören, und der Europäischen Union gemeinsam sind.

Mit jedem ÜLG-Partnerland legt die EU spezifische Politikbereiche und Ziele im Rahmen ihres Programmplanungsprozesses fest. Mehrjährige Richtprogramme (Multi-annual indicative plans – MIPs) umreißen die allgemeine Grundlage für die Zusammenarbeit mit der EU.
Programm für die Zusammenarbeit der EU mit Grönland 2021–2027 (wird in neuem Tab geöffnet)


Enge Partnerschaft zwischen Grönland und der EU

Zwischen Grönland und der EU besteht schon lange eine enge Partnerschaft. Seit Jahren fließen EU-Mittel nach Nuuk, vorrangig in Bildung, Forschung und Infrastruktur.

Seit 1992 unterhält Grönland eine eigene Vertretung bei der Europäischen Kommission in Brüssel.

Am 15. März 2024 hat die Europäische Kommission ein EU-Büro in Nuuk eröffnet.
Es ist das erste Büro der Europäischen Union in Grönland und dient dazu, die Partnerschaft, insbesondere in den Bereichen Rohstoffe und nachhaltige Entwicklung, zu stärken.
Die Eröffnung des EU-Büros in Nuuk ist Teil der Arktisstrategie der EU und möchte vor allem in eine „nachhaltige, wohlhabende und friedliche“ Arktis investieren.
Auch die im November 2023 unterzeichnete Vereinbarung über nachhaltige Rohstoffwertschöpfungsketten, spiegelt das gemeinsame Engagement für eine nachhaltige Ressourcenentwicklung wider und positioniert Grönland als strategischen Rohstofflieferant für den ökologischen Wandel in Europa.
Factsheet zur Partnerschaft EU-Grönland

Angesichts der jüngsten Annexionsfantasien des US-Präsidenten, plant die EU, die Mittel in den nächsten sieben Jahren sogar zu verdoppeln.
In einen Kommissionsvorschlag an den Rat der EU, wird im Zusammenhang mit dem Mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) 2028-2034, vorgeschlagen, die Unterstützung Grönlands aufzustocken.

Das enge Verhältnis der EU zu Grönland wird auch in der Rede des grönländischen Premierministers Jens-Frederik Nielsen am 8. Oktober 2025 vor dem Europäischen Parlament bekräftigt. Darin beschreibt er seine Besorgnis: Grönland stehe im Zentrum geopolitischer Spannungen zwischen den USA und Europa seit Trump eine Annexion Grönlands nicht mehr ausschließe. Er betont, dass Grönland die Europäische Union brauche und die EU Grönland brauche.

Ausgangspunkt der aktuellen Auseinandersetzungen um die Zugehörigkeit Grönlands

Die Annexionsdrohungen der USA

Der amtierende US-Präsident Donald Trump vermeldete wiederholt, dass aus Gründen der nationalen Sicherheit, Grönland zukünftig zu den Vereinigten Staaten von Amerika gehören sollte. Trump sieht die Region um Grönland und die US-Bevölkerung durch China und Russland bedroht. Eine Verteidigung Grönlands könne Dänemark nicht gewährleisten, auch die anderen Nato-Mitglieder hätten den Schutz vernachlässigt.

Bereits zu seiner ersten Amtszeit als US-Präsident (2017-2021), wollte Donald Trump Grönland besitzen und hat 2019 einen Kauf der Insel mit einem großen Immobiliendeal verglichen. Im Jahr 2025 hatte der wiedergewählte US-Präsident erstmals auch militärische Mittel nicht ausgeschlossen, um die Insel unter US-Kontrolle zu bringen.

Nachdem US-Präsident Trump in seiner ersten Rede vor dem US-Kongress Anfang März 2025, seine Forderung wiederholte, dass Grönland aus Gründen der nationalen und internationalen Sicherheit Besitz der USA werden sollte, wurden die für 6. April 2025 angesetzten Parlamentswahlen in Grönland auf den 11. März 2025 vorgezogen.

Das nationale Parlament, Inatsisartut (Grönländisch für „Gesetzgeber“) ist die Legislative Grönlands, seine 31 Mitglieder werden alle vier Jahre demokratisch gewählt.

Die Entscheidung über die Unabhängigkeit, die Beziehungen zu Dänemark und eine mögliche Annäherung an die USA, liegt letztendlich bei den Grönländerinnen und Grönländern selbst. Daher wurden die Wahlen als guter Indikator für die Bereitschaft der Bevölkerung angesehen, eine der Optionen zu folgen.

Bei der grönländischen Parlamentswahl mit gut 40.000 Wahlberechtigten, kamen die sozialliberalen Demokraten (Demokraatit) von Jens-Frederik Nielsen auf fast 30 Prozent und wurden damit stärkste Partei. Demokraatit steht für einen langsamen Übergang zur Unabhängigkeit Grönlands von Dänemark und ist vehement gegen eine Übernahme durch die USA. Vier Parteien (Demokraatit, Siumut, Inuit Ataqatigiit, Atassut) bildeten als Reaktion auf den starken Druck der USA eine historisch breite Koalitionsregierung in Grönland.

Interpretiert man das Ergebnis der Parlamentswahlen vom 11. März 2025, dann sieht Grönlands zukünftiger Weg zunächst eine Fortsetzung der engen Zusammenarbeit mit Dänemark vor. Zweitstärkste Partei mit knapp ein Viertel der Stimmen und einzige Oppositionspartei wurde Naleraq. Diese setzt sich für eine sofortige Unabhängigkeit Grönlands ein und ist die einzige Partei, die sich für eine engere Beziehung zu den USA ausspricht.

Während das Ziel der Unabhängigkeit die grönländische Bevölkerung eint, spaltet sie die Frage, ob Dänemark oder die USA der bessere Partner auf dem Weg dorthin sind.
Die meisten Grönländer:innen befürchten jedoch zum Spielball von Trumps machtpolitischen Ambitionen zu werden.

Die Auseinandersetzung um Grönland hat sich zu einer schweren Belastungsprobe für die transatlantischen Beziehungen entwickelt.

Die NATO (North Atlantic Treaty Organization), das größte politisch-militärische Verteidigungsbündnis wurde am 4. April 1949 in Washington D.C. gegründet.

Der Nordatlantikvertrag soll die Sicherheitspolitik Europas und Nordamerikas verbinden, als Wertegemeinschaft sowie als kollektives Selbstverteidigungsbündnis.

Brisant in Bezug auf die Annexionsbestrebungen des US-Präsidenten, ist der zentrale Punkt des NATO-Vertrags:.
Die Allianz definiert sich über ihre Bündnissolidarität nach Art. 5 des NATO-Vertrags, der das Prinzip der kollektiven Verteidigung festlegt.

Das heißt, wird ein NATO-Mitgliedstaat angegriffen, wird dies als Angriff auf alle NATO-Mitglieder gewertet und es kann gemeinsam der Bündnisfall im Nordatlantik ausgerufen werden.

Dieser Bündnisfall ist erst einmal ausgelöst worden, nach den terroristischen Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA.

Ein Szenario, dass ein NATO-Mitglied ein anderes NATO-Mitglied angreift, würde wohl die NATO vor eine existenzielle Zerreißprobe stellen.

Der Bündnisfall der NATO (Bundeszentrale für politische Bildung)

NATO-Nordatlantikpakt (Bundeszentrale für politische Bildung)

- 14. Januar 2026

Treffen zwischen USA, Grönland und Dänemark in Washington

Das Treffen des dänischen Außenministers Lars Løkke und der grönländischen Außenministerin Vivian Motzfeldt mit dem US-Vizepräsidenten J.D. Vance und dem US-Außenminister Marco Rubio in Washington, hat den Grundkonflikt um die unterschiedlichen Positionen zur Zukunft der arktischen Insel nicht geändert.
Grönland und Dänemark bekräftigen die Bereitschaft, die Arktis auch weiterhin zusammen mit den USA gemeinsam militärisch zu sichern, schließen jedoch eine Übernahme oder einen Kauf der Insel durch die USA aus. Der US-Präsident hingegen, beharrt auf seiner Forderung, Grönland zu besitzen.

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- Mitte Januar 2026

Der Erkundungseinsatz einiger europäischer Staaten in Grönland

Angeführt von Dänemark, hatten am Wochenende nach dem Treffen in Washington, einige NATO-Verbündete (darunter Deutschland, Norwegen, Schweden, Finnland, Frankreich, Niederlande und Großbritannien) Grönland einen Erkundungsbesuch abgestattet, die sogenannte Operation „Arctic Endurance“. Als politisches Signal verstanden, diente der Einsatz formal der Vorbereitung militärischer Übungen. Bedingungen dafür, wie Hafenanlagen, logistische Möglichkeiten, die Treibstoffversorgung oder praktische Fragen wie die Enteisung von Flugzeugen, sollten geprüft werden.

Hauptziel ist es, die Seegebiete zwischen Grönland, Island und Großbritannien besser abzusichern, um „die Möglichkeiten der Gewährleistung der Sicherheit mit Blick auf russische und chinesische Bedrohungen in der Arktis zu eruieren“, so das deutsche Verteidigungsministerium.

Dänemark verstärkt seine militärische Präsenz in Form von militärischen Übungen mit Flugzeugen, und Schiffen. Auch viele europäische NATO-Partner wollen mit unterschiedlichen Mitteln präsenter in Grönland sein. Frankreich bspw. eröffnet am 6. Februar 2026 ein Konsulat in Grönland.
Zudem schlagen Dänemark und Grönland eine NATO-Mission in der Arktis vor und betonen, dass die USA wichtig für die europäische Sicherheit sei, da Europa viele Dinge nicht ohne die USA stemmen könnte.
(Quelle: tagesschau.de)

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- 17. Januar 2026

Androhung von Strafzöllen durch den US-Präsidenten gegen acht europäische Länder

US-Präsident Donald Trump kündigte am 17. Januar 2026 Strafzölle gegen acht europäische Staaten an, die sich gegen seine Grönlandpläne stellen. Betroffen sind die Länder, die sich an der Aufklärungs- und Erkundungsmission „Arctic Endurance“ beteiligt haben. Die Zollaufschläge von zehn Prozent sollen zum 1. Februar 2026 eingeführt werden, ab 1. Juni 2026 sollen es sogar 25 Prozent werden. Diese Zollerhöhungen sollen so lange gelten, bis einer Übernahme der Arktisinsel durch die USA erreicht ist.
Wegen dieser Drohungen Trumps, wurde für den 22. Januar 2026 ein EU-Sondergipfel angesetzt.

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In der Schweiz trafen sich 60 Staats- und Regierungsspitzen beim Weltwirtschaftsforum in Davos.
Die Reden und Podiumsdiskussionen in Davos sind auf der Webseite des Weltwirtschaftsforums abrufbar..

Wichtiges Thema war auch hier, Trumps Forderung, Grönland zu übernehmen („ich will doch nur ein kleines Stück Eis“).

Erwähnenswert ist dazu Folgendes:

Ursula von der Leyen betont in ihrer Rede auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos am 20. Januar 2026, dass die Sicherheit in der Arktis nur gemeinsam mit dem NATO-Verbündeten USA gewährleistet werden kann. Die von den USA angedrohten Zusatzzölle unter langjährigen Verbündeten hält sie für einen Fehler. Von der Leyen stellte die zentralen Punkte eines EU-Paketes zur Unterstützung der arktischen Sicherheit vor und wies ansonsten daraufhin, dass eine europäische Unabhängigkeit notwendig und ein strukturelles Muss sei.

Trump hat sich in Davos zu seinen Absichten, Grönland zu besitzen, geäußert und dabei auf die Androhung militärischer Mittel verzichtet. Als Konkurrenz zu den Vereinten Nationen (UN) hat er einen „Friedensrat“ (Board of Peace) gegründet, der amerikanische Interessen auf der internationalen Bühne vertreten soll. (Quelle: tagesschau.de)

  • Trump übernimmt die Leitung des Rates.
  • Eine dauerhafte Mitgliedschaft kostet eine Milliarde Dollar.
  • 60 Länder wurden eingeladen beizutreten.
    Nicht alle sind dieser Einladung gefolgt, z. B. Deutschland und Frankreich.

Anlass für Entspannung?
Sind die Annexionspläne der USA vorerst vom Tisch?


Nach dem Gespräch mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte, lenkt Donald Trump im Streit um neue Zölle ein und kündigt an, die Strafzoll-Drohungen gegen acht europäische Länder wieder zurückzuziehen.
Dabei beruft sich Trump auf den, im Gespräch mit NATO-Generalsekretär Rutte, besprochenen Rahmen für ein künftiges Abkommen in Bezug auf Grönland und die Arktis.


Bislang sind nur Grundzüge über ein neues, mögliches Abkommen mit den USA bekannt.
Neben dem stärkeren militärischen und finanziellen Engagement der Nato-Staaten im arktischen Raum, fordert die USA ein Mitspracherecht bei Investitionsvorhaben aus anderen Ländern in Grönland. Trump befürchtet, dass sich russische und chinesische Unternehmen in und um Grönland Ausbeutungsrechte für Rohstoffe sichern oder Land erwerben.


Zentrales Element des zukünftigen Abkommens soll die Neuverhandlung des 1951 geschlossenen Verteidigungsabkommens zwischen Dänemark und den USA sein.

Dieses Abkommen erlaubt es den US-Streitkräften bereits, Grönland militärisch zu nutzen, wenn es der Verteidigung Grönlands dient.
Zur Zeit des Kalten Krieges hatten die USA etliche Basen auf der Insel, die aber mittlerweile fast alle wieder geschlossen wurden. Derzeit gibt es nur noch die US-Weltraumbasis Pituffik im Nordwesten Grönlands.


Zudem hatte Trump angekündigt, das geplante US-Raketenabwehrsystem „Golden Dome“ auf Grönland errichten zu wollen. Dieser Raketenschirm soll die USA gegen Hyperschall- und ballistische Raketen schützen.


Das Verteidigungsabkommen mit Dänemark 1951, aber auch die aktualisierte Vereinbarung aus dem Jahr 2004, erlaubt es den USA bereits jetzt, jederzeit ihre Militärpräsenz wieder aufzustocken und den Betrieb von Stützpunkten, wenn es dem internationalen Frieden dient, und die Behörden in Dänemark sowie Grönland vorher informiert werden.


Nun sollen US-Vizepräsident J.D. Vance, Außenminister Marco Rubio und der US-Sondergesandte Steve Witkoff Details mit ihren dänischen und grönländischen Amtskolleg:innen verhandeln.
(Quelle: Tagesschau.de)

Der Wunsch der USA, Grönland zu kaufen ist nicht neu.
Bereits 1868 gab es laut Marc Jacobsen den gut dokumentierten Versuch der USA Grönland zu kaufen.

Im Zweiten Weltkrieg hatten die USA zahlreiche Militärflugplätze auf Grönland errichtet. Die Truman-Regierung unterbreitete 1946 Dänemark einen weiteren Kaufvorschlag für Grönland – 100 Millionen US-Dollar in Gold.
Dänemark lehnte den Kauf ab, unterzeichnete jedoch am 27. April 1951 das Grönland-Verteidigungsabkommen zwischen den USA und Dänemark (Defense of Greenland: Agreement Between the United States and the Kingdom of Denmark, April 27, 1951). Besonders während des Kalten Krieges hatte Grönland wegen seiner geographischen Lage eine große militärstrategische Bedeutung.

In diesem Abkommen wurde den USA eine bedeutende Rolle in der grönländischen Verteidigung eingeräumt. Die USA hatten uneingeschränkte Bewegungsfreiheit auf Grönland. Sie konnten überall auf der Insel militärische Stützpunkte einrichten, ihre Truppen frei bewegen, Infrastruktur bauen sowie Häfen und Flugplätze kontrollieren.

Als wichtigsten militärischen US-Stützpunkt, wurde die Thule Air Base (heute Pituffik Space Base) im Nordwesten Grönlands errichtet. Die Anlage untersteht seit 2020 dem Kommando der United States Space Force, die für die Weltraumüberwachung zuständig ist. In Pituffik, das auf der kürzesten Flugbahn zwischen Russland und den Vereinigten Staaten liegt, wird ein Raketenfrühwarnsystem betrieben, das es ermöglicht, Raketen abzufangen, die auf das US-amerikanische Festland abgefeuert werden könnten.

Durch die Unterzeichnung des Igaliku-Abkommens 2004 zwischen Grönland, Dänemark und den USA, wurde das Verteidigungsabkommen von 1951 angepasst.

Nach Jacobsen, war bei den Verhandlungen für Grönland eine wesentliche Forderung, „dass die militärische Präsenz der USA dem ‚internationalen Frieden‘ dienen sollte und nicht nur dem Schutz der USA und der westlichen Hemisphäre, wie es bis dahin geheißen hatte.“ Zudem soll die US-Regierung die dänische und die grönländische Regierung konsultieren, bevor wesentliche militärische Operationen oder Einrichtungen der USA in Grönland umgesetzt werden.

Nach Ende des Kalten Krieges verminderten die USA die Anzahl ihrer Soldatinnen und Soldaten auf Grönland. Waren während des Kalten Krieges noch ca. 10.000 US-Militärangehörige auf der Thule Air Base stationiert, sind es 2025 auf Pituffik nur noch ca. 140 Soldatinnen und Soldaten.

Auch aus diesem Grund steht der Vorwurf an Trump im Raum, sicherheitspolitische Bedenken nur vorzuschieben. Den USA sei es jederzeit möglich, ihre militärische Präsenz auszubauen. Vielmehr wird vermutet, dass es bei einem Kauf, um uneingeschränkten Einfluss auf Grönland, seine Bodenschätze sowie Kommunikations- Handels- und Verkehrswege geht.

Der informelle EU-Gipfel war kurzfristig angesetzt worden, nachdem Trump am 17. Januar 2026, auf der Plattform Truth Social, neue Zölle gegen acht europäische Staaten angekündigt hatte.

Eigentlich wollten die EU-Staaten in Brüssel über eine Reaktion auf die mittlerweile zurückgenommenen US-Strafzölle beraten. Als Grund der Rücknahme hatte Trump eine zukünftige Vereinbarung über Grönland und die gesamte Arktisregion angegeben

Beim EU-Gipfel herrschte zwar Erleichterung, dass Donald Trump kurz zuvor einen Angriff auf Grönland ausgeschlossen und die angekündigten Zölle zurückgenommen hat. Dennoch überwog die Sorge, dass der US-Präsident es sich erneut anders überlegt und Verhandlungen wieder von vorne beginnen müssen.

EU-Ratspräsident António Costa hatte vorgeschlagen, dennoch an dem Spitzentreffen festzuhalten und grundsätzlich über die jüngsten Entwicklungen in den transatlantischen Beziehungen und deren Auswirkungen auf die EU zu sprechen.

Das Vorgehen Trumps und der Ton des US-Präsidenten, haben die EU nachdenklich gemacht. EU-Ratspräsident António Costa betonte, „dass Beziehungen zwischen Partnern und Verbündeten freundlich und respektvoll gestaltet werden sollten.“ Europa und die USA hätten an der Arktis gemeinsame Interessen.

Costa freute sich zwar, dass die von Trump angedrohten Zölle zurückgenommen wurden, doch Dänemark und Grönland hätten „die uneingeschränkte Unterstützung der EU“ und nur diese beiden Länder könnten über Angelegenheiten entscheiden, die sie betreffen. Die Europäische Union bekenne sich fest zum Völkerrecht, territorialer Unversehrtheit und nationaler Souveränität. Das sei zentral für Europa und für die internationale Gemeinschaft als Ganzes.

Auch die Präsidentin der Europäischen Kommission Ursula von der Leyen, stellte in ihrer Erklärung, im Anschluss an den EU-Sondergipfel, die Solidarität mit Grönland und dem Königreich Dänemark sowie verstärkte EU-Investitionen in die arktische Sicherheit in den Fokus.

21. Januar 2026 Pressemitteilung des Europäischen Parlaments: „EU muss entschieden auf jede Form von Zwang gegenüber Mitgliedstaaten reagieren“
20. Januar 2026 Bei ihrer Rede auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos am 20. Januar 2026, bezeichnet die Präsidentin der Europäischen Kommission, eine europäische Unabhängigkeit als strukturelles Muss.
20. Januar 2026 Die Abgeordneten des Europäischen Parlaments debattieren über die Reaktion der EU auf die Äußerungen von US-Präsident Trump zu Grönland. Zahlreiche EU-Mitgliedstaaten wiesen die US-Pläne zum Erwerb Grönlands zurück, die Entscheidung über den Status Grönlands würde ausschließlich bei Dänemark und Grönland liegen. Sie unterstrichen die Bedeutung einer gemeinsamen, von der NATO-geführten Sicherheit im Arktisraum und warnten vor einseitigen Maßnahmen, die das NATO-Bündnis und die regionale Stabilität gefährden könnte.
19. Januar 2026 In der EU-Erklärung am 19. Januar 2026 bekräftigen die Kommissionspräsidentin von der Leyen und der EU-Ratspräsident Costa die uneingeschränkte Solidarität mit Dänemark und der Bevölkerung Grönlands: „Territoriale Unversehrtheit und Souveränität sind Grundprinzipien des Völkerrechts. Sie sind für Europa und für die gesamte internationale Gemeinschaft von grundlegender Bedeutung.“
14. Januar 2026 Die Fraktionsvorsitzenden des Europäischen Parlaments bekunden ihre uneingeschränkte Unterstützung für Grönland und Dänemark. . Jeder Versuch, die Souveränität und territoriale Integrität Dänemarks und Grönlands zu untergraben, verstoße gegen das Völkerrecht und die Charta der Vereinten Nationen. Das Königreich Dänemark, einschließlich Grönlands, sei Mitglied der NATO und falle vollständig unter die kollektiven Sicherheitsgarantien des Bündnisses. Das Europäische Parlament fordert die Europäische Kommission und den Europäischen Rat auf, konkrete und greifbare Unterstützung für Grönland und Dänemark zu definieren und dabei die Grundsätze und das Recht der EU, das Völkerrecht und die NATO-Charta zu wahren.
6. Januar 2026 In einer gemeinsamen Erklärung am 6. Januar 2026 zur Sicherheit Grönlands erklären mehrere EU-Mitgliedstaaten „dass die Sicherheit des grönländischen Territoriums gemäß der Charta der Vereinten Nationen, insbesondere hinsichtlich der Souveränität, der territorialen Integrität und der Unverletzlichkeit der Grenzen, gemeinsam von der NATO, einschließlich der Vereinigten Staaten, gewährleistet werden müsse.“
November 2025 Der Ausschuss für auswärtige Angelegenheiten des Europäischen Parlaments (AFET) hat in seinem Bericht eine diplomatische Strategie und geopolitische Zusammenarbeit der EU in der Arktis empfohlen.
Eine gute Zusammenfassung zu den wesentlichen Punkten einer Strategie und Zusammenarbeit der EU in der Arktis (wird in neuem Tab geöffnet), hat der Wissenschaftliche Dienst des Europäischen Parlaments (EPRS) erstellt.
Am 26. November 2025 wurde die diplomatische Strategie und geopolitische Zusammenarbeit der EU in der Arktis in einer Entschließung des Europäischen Parlaments
angenommen.