Die Geschichte der Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt

Portraitzeichnung des Landgrafen Georg I. von Hessen-Darmstadt

Die Anfänge

Den Grundstock der Darmstädter Bibliothek bildet die Büchersammlung des Landgrafen Georg I. (1547 – 1596), die dieser nach der Teilung Hessens bei Regierungsantritt (1567) von Kassel mit nach Darmstadt brachte. Das Jahr 1568, in dem die ersten Bücherkäufe des Landgrafen zur Erweiterung dieser Sammlung belegt sind, wird als Begründungsdatum der Darmstädter Hofbibliothek angenommen. Zwei heute noch erhaltene Kataloge mit Eintragungen aus den Jahren 1586 bis 1595 geben Auskunft über die Zusammensetzung der Bibliothek Georgs I.

Die Sammlung wurde planmäßig und systematisch vermehrt.

Pflichtexemplarbibliothek

Georg II. (1605 – 1661) ordnete in den ersten Jahren seiner Regierungszeit erstmals die Ablieferung von Pflichtexemplaren aus der Landgrafschaft an die Hofbibliothek an. Nach dem Tod Ludwigs IV. von Hessen-Marburg (1604) waren zwischen Hessen-Darmstadt und Hessen-Kassel Erbstreitigkeiten um das Marburger Gebiet entstanden, die erst mit dem Ende des 30jährigen Krieges beigelegt werden konnten: Das Marburger Gebiet blieb bei Kassel, das Gießener bei Darmstadt. Aus diesem Grund gehört es auch heute noch zum Pflichtbereich der Darmstädter Bibliothek.

1685 fand die Hofbibliothek in den drei Zimmern des oberen Geschosses im Glockenbau erstmals geschlossen Aufstellung. Ihr erster Bibliothekar wurde 1692 Johann Balthasar Moscherosch. 1717/18 erfolgte die Neuaufstellung und Katalogisierung der Sammlung durch Johann Philipp Jung.

Beständiger Aufbau

Den größten Zuwachs und ihre Glanzzeit erlebte die Bibliothek unter Ludwig X., dem späteren ersten Großherzog von Hessen-Darmstadt (1753 – 1830). Ludwig setzte sich u.a. durch den gezielten Erwerb von Privatbibliotheken für die Vermehrung des Bibliotheksbestandes ein. Zudem fällt in die Zeit seiner Regentschaft die Säkularisation von 1803, durch die eine Reihe von Klosterbibliotheken in die Hofbibliothek gelangten. Diese Bestände wurden durch die Sammlung des Kölner Barons Johann Wilhelm Adam Hüpsch (1750 – 1805) ergänzt, die als Vermächtnis nach dessen Tod 1805 an Ludwig fielen. Sie enthielt mehr als 4000 Druckwerke, die Hüpsch aus klösterlichem Besitz an sich gebracht hatte.

Hessische Landesbibliothek

1920 erhielt sie den Titel „Hessische Landesbibliothek“.

1921 konnte die Bibliothek des Landestheaters und 1931 die Bibliothek des Hessischen Gewerbemuseums übernommen werden. Auf diesem Wege gelangte auch die Patenschriftenauslegestelle ins Schloß.

Als Dauerleihgabe kam 1922 die Freiherrlich von Closen-Günderrodische Fideikommiß-Bibliothek aus Höchst an der Nidder in die Landesbibliothek, überwiegend Schriften des 16. – 18. Jahrhunderts mit Schwergewicht auf theologischer, historischer, rechts- und staatswissenschaftlicher Literatur (1958 ging die Sammlung in den Besitz der Bibliothek über).

1930 brach Hanns W. Eppelsheimer (Direktor 1929 – 1933) die alte systematische Aufstellung ab und ging zur mechanischen Aufstellung über. Für Werke ab 1901 ersetzte er das inzwischen veraltete System Schleiermachers durch einen neuen Sachkatalog nach der von ihm entwickelten und an der Stadtbibliothek Mainz erprobten Methode.

Neue Standorte

1971 erhielt die Bibliothek mit der Einrichtung einer Zweigbibliothek im Neubaugebiet der Technischen Universität einen zusätzlichen Standort. Die Zweigbibliothek ist in ihren Beständen auf die dort angesiedelten Fachbereiche und Fachgebiete ausgerichtet.

Da die Raumnot im Schloss immer gravierender wurde, musste 1989 auch das Patentinformationszentrum ausgelagert werden, das sein neues Domizil in einem Gebäude der Fachhochschule hat. Dort befindet sich auch das Ausweichmagazin. 1993 zogen die Theatergeschichtliche Sammlung sowie die Kartensammlung in das Haus der Geschichte (Mollerbau).

1994 wurde mit den Umbauarbeiten des Ostflügels des Schlosses begonnen, die im Herbst 1997 abgeschlossen wurden. Damit steht den Benutzern der Bibliothek ein größerer Lesesaalbereich und ein Zeitschriftenfreihandmagazin zur Verfügung. Die 90er Jahre waren geprägt durch die Umstellung vieler Bereiche der Bibliothek auf die Verfahren der elektronischen Datenverarbeitung.