Hs1873_Restaurierung

Zur Restaurierung der Handschrift 1873

Bei der hier vorgestellten niederländischen Gebetbuchhandschrift von 1435, handelt es sich um ein mit viel Blattgold sehr kostbar ausgestattetes Exemplar. Es ist reich mit Vollbildern, Zierrahmen und Randleisten geschmückt.

Vor der Restaurierung war die Handschrift in einem Zustand, der jede selbst vorsichtige Benutzung ausschloss, da jede Berührung zu weiteren Beschädigungen geführt hätte, waren doch der vordere Deckel ganz, der hintere teilweise sowie der Buchrücken eingerissen und brüchig. Ein Einzelblatt der letzten Lage war überdies lose und drohte, verloren zu gehen.

In einem zuvor erstellten Restaurierungskonzept wurden das Ausmaß der notwendigen Arbeiten sowie die Auswahl der Restaurierungsmethoden festgelegt. Dabei wurden die materielle Substanz und der historische Kontext des Buches genau erfasst.

Es wurde nicht nur der ursprüngliche Zustand des Objektes, sondern auch seine Veränderung im Laufe der Zeit berücksichtigt. So erhielt diese Handschrift im 18. Jahrhundert einen neuen Ledereinband, vom Ersteinband zeugen nur noch die Heftlöcher der ersten Bindung.

Mit dem restauratorischen Eingriff sollte die Benutzung wieder ermöglicht, mit dem so gering wie möglich gehaltenen Eingriff in die Originalsubstanz allerdings das historische Erscheinungsbild dieser Handschrift nicht verändert werden.

Die wesentlichen Arbeiten bei dieser Restaurierung betrafen den Bucheinband: der marode Lederrücken wurde mit neuem, passend eingefärbten Leder unterlegt, eine Buchschließe wurde aus neuem Messingblech nachgearbeitet und auf dem Buchdeckel montiert, beide Kapitale wurden ausgebessert und wieder angebracht.

Eine Pergamentrestaurierung an einem losen Einzelblatt der letzten Lage, das Auskleben und Ergänzen beider Vorsätze sowie das Verstärken der abgerissenen Heftbünde mit Hanfkordel waren die einzigen Arbeiten, die an dem gut erhaltenen Buchblock nötig waren.

Um die Buchmalerei vor Abrieb zu schützen, wurde zwischen die Buchseiten ein Spezialpapier eingelegt. Das restaurierte Buch wird in einer Kassette aus alterungsbeständigen Materialien aufbewahrt.

Dieser vergleichsweise geringe Restaurierungsaufwand führte dazu, dass diese kostbare Pergamenthandschrift aus dem späten Mittelalter nun wieder benutzbar und so geschützt ist, dass weiterer Schaden dauerhaft von ihr abgewendet ist.

Arbeitsschritte der Restaurierung

Buchrücken vor der Restaurierung
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Buchrücken vor der Restaurierung