Keyserling

Hermann Graf Keyserling

Hermann Graf Keyserling - Fotografie

Der Lebens- und Kulturphilosoph Hermann Graf Keyserling (1880-1946) stammte ursprünglich aus Estland und verfolgt zuerst eine naturwissenschaftliche Laufbahn, bis er durch sein „Reisetagebuch eines Philosophen“ (1918) und als Gründer einer „Schule der Weisheit“ in Darmstadt berühmt wurde. Er gehört zu den facettenreichsten Gestalten im Kulturleben des ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Zu Lebzeiten, insbesondere zu Beginn der 1920er Jahre, genoss Keyserling als philosophierender Weltbürger eine erstaunliche Popularität. Auf zahlreichen Reisen erschloss er die Lebenswelten inner- und außerhalb Europas, leistete einen bedeutenden Beitrag zur interkulturellen Verständigung und pflegte einen intensiven geistigen Austausch sowie einen unermüdlichen Briefwechsel mit bedeutenden Zeitgenossen. Seine Wirkung resultierte nicht allein aus zahlreichen, in mehreren Sprachen verfaßten Werken, Schriftenreihen und Aufsätzen, sondern auch aus einer regen Vortragstätigkeit im In- und Ausland und schließlich der 1920 in Darmstadt gegründeten „Schule der Weisheit“. Zu den regelmäßig veranstalteten Tagungen kamen namhafte Persönlichkeiten der Zeit, darunter etwa auch Rabindranath Tagore, Carl Gustav Jung, Max Scheler. Als international gesinnter Denker verstand Keyserling die „Schule der Weisheit“ als Initiative zu einer globalen kulturellen Erneuerung. Mit diesem Impuls ging er als bemerkenswerte, aber auch umstrittene Integrationsfigur in die Geistesgeschichte des 20. Jahrhunderts ein. Die Nationalsozialisten sahen in Keyserling schon früh einen Staatsfeind, den sie mit weitreichenden Maßnahmen vom Rede- bis zum Ausreiseverbot in den existentiellen Ruin trieben. 1939 wich Keyserling zu seiner Schwiegermutter, Marguerite Fürstin von Bismarck, aus, 1943 ging er nach Tirol. Er starb 1946 in Innsbruck.

Der Nachlass und seine Geschichte

Bei Recherchewünschen steht Ihnen die Abteilung Historische Sammlungen und Musik gerne zur Verfügung.