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Der Alexander-Keyserling-Nachlass

Alexander Graf Keyserling

Erschließung des Alexander-Keyserling-Nachlasses

Seit dem 1. April 2000 wurde im Rahmen eines Projektes der Deutschen Forschungsgemeinschaft der Nachlass von Alexander Graf Keyserling wissenschaftlich erschlossen und in eine allegro-HANS-Datenbank katalogisiert. Das Projekt ist seit 2004 abgeschlossen. Die Datenbank wird in Kürze online zur Verfügung stehen. Bis dahin sind Anfragen an die Handschriftenabteilung zu richten.

Übersicht über die Kasten-Mappen-Folge des Nachlasses

Alexander Graf Keyserling (geb. 15.8.1815 in Kabillen/ Kurland, gest. 8.5.1891 in Rayküll/ Estland), der Großvater des Philosophen Hermann Graf Keyserling (1880-1946), stammt aus einem alten, ehemals deutschen Geschlecht und war ein berühmter Naturwissenschaftler und Forschungsreisender. Er studierte in Deutschland, wurde ein Studienfreund O. v. Bismarcks und stand unter der Förderung A. v. Humboldts. Alexander Keyserling gilt als Mitbegründer der russischen Geologie. Er unternahm im Auftrag des Kaisers Nicolaus I bedeutende Expeditionen in unerforschte Gebiete Russlands und betrieb neben geologischen, paläontologischen, botanischen und zoologischen auch kartographische Studien. Als Universalgelehrter alten Stils interessierten ihn auch geisteswissenschaftliche Themen. Er beschäftigte sich mit philosophischen, pädagogischen und theologischen Fragen ebenso wie mit Politik und Rechtsfragen. Am russischen Kaiserhof fungierte er als Berater der Zarenfamilie und Reisebegleiter der Großfürstin Helene. Im Jahr 1844 heiratete er eine Tochter des aus Hessen stammenden russischen Finanzministers Georg Graf Cancrin, dessen Reisetagebücher er später herausgab. Mit dieser Verbindung kam das estländische Gut Rayküll mit den beiden livländischen Gütern Könno und Kerkau in den Besitz der Familie Keyserling. Alexander Keyserling ist auch als reformatorischer Landespolitiker, Jurist und Pädagoge hervorgetreten: Er war u.a. Kirchspielsrichter, Kreisdeputierter (1851-57 u. 1872), Ritterschaftshauptmann (1857-1862), Landrat (1861-62 u. 1873-91), Präsident des Estländ. Landwirtschaftl. Vereins (1848-1857 u. 1876-1879), Kurator des Dorpater Lehrbezirks (1862-69), Kaiserl. russischer Oberhofmeister und Wirkl. Geheimrat.

Der Nachlass kam über den Philosophen Hermann Graf Keyserling nach Darmstadt. Im Jahr 1922, bei einem letzten Besuch auf seinem 1919 enteigneten Gutsbesitz Rayküll in Estland, hatte Hermann Keyserling das dort verbliebene Material von seinem Großvater nach Deutschland bringen können. Der Alexander-Keyserling-Nachlass ging als Kryptonachlass im Hermann-Keyserling-Nachlass mit dem Tod von Hermann Graf Keyserlings Witwe Goedela Gräfin Keyserling, geb. von Bismarck (1896-1981) in das Eigentum der Stadt Darmstadt über. Von dort gelangte er als Depositum in den Besitz der Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt.

Zum Nachlass gehören Manuskripte und Tagebücher, Briefe von und an Alexander Keyserling, gebundene Briefbücher und –sammlungen, diverse Konvolute/ Sammlungen, darunter ein großer Bestand von z.T. ins 17. Jahrhundert zurückreichenden Dokumenten zum Gut Rayküll und seiner Geschichte. Ferner enthält der Nachlass auch Manuskripte, Briefe sowie Sammlungen und Lebensdokumente anderer Personen.