Urkunde

Eine Urkunde Kaiser Karls IV. aus dem Hessischen Staatsarchiv Darmstadt

Aachen, 8. Juli 1376

Hessisches Staatsarchiv Darmstadt, Bestand B 5, Nr. 27

Mit der am 8. Juli 1376 in Aachen ausgestellten Pergamenturkunde (22 x 29,5 cm) veröffentlicht Kaiser Karl IV. die auf sein und das Gebot der sieben Kurfürsten (von uns(er)m gebote und geheisse vnd auch des heiligen reichs kurfürsten) bereits am 25. Juni 1376 erfolgte Huldigung des Burggrafen, der Baumeister und Burgmannen zu Friedberg (Wiedergabe des Eides als inserierte Urkunde) für seinen erstgeborenen Sohn Wenzel (Wenczlawe), als römischen Mit-König. Hintergrund der Urkundenausfertigung war die bereits am 10. Juni 1376 in Frankfurt a. M. erfolgte Wahl Wenzels zum Rex Romanorum und die daraufhin am 6. Juli 1376 vom Kölner Erzbischof Friedrich III. von Saarwerden in der Aachener Pfalzkirche vorgenommene Königskrönung. Nur gut 14 Tage nach der Wahl hatten die Vertreter der Reichsburg Friedberg – in Gegenwart der sieben Kurfürsten (in gegenwortikeit siben kurfursten) – dem gekornem romischen kunige Wenzel ihre Huldigung dargebracht. Dabei schworen sie, ihn für einen rechten römischen König zu halten und nach dem Tod seines Vaters als alleinigen König und zukünftigen Kaiser gehorsam und vorbunden [zu] sein.

Für Kaiser Karl IV. stellte die Urkunde nur eines von vielen Schriftstücken dar, das ihm den Erfolg seines spätestens seit 1369 betriebenen Projekts der Erhebung Wenzels zum Mit-König dokumentierte. Dabei war die „Wahl“ durchaus mit Ungereimtheiten behaftet, die zum Teil im Widerspruch zu den Bestimmungen der Bulla Aurea Karoli IV. von 1356 standen. Zwar konnte auch ein Kurfürst aus den Reihen der Kurfürsten mit eigener Stimme gewählt werden (Goldene Bulle, Kap. 2.5) – Wenzel war immerhin seit 1373 Kurfürst von Brandenburg – aber die Wahl eines Nachfolgers noch zu Lebzeiten des römischen Königs galt auch den Zeitgenossen als „Sondertatbestand“. Viel schwerer wog jedoch der Umstand, dass sich Karl IV. die kurfürstlichen Stimmen erkauft hatte. Nur durch den Einsatz von beträchtlichen finan-ziellen Mitteln und Verpfändungen von Reichsgut gelang es dem Kaiser, die Kurfürsten auf seinen Kandidaten einzuschwören. Damit hatte Karl IV. zugunsten einer Quasi-Erbfolge gegen sein eigenes Wahlgesetz gehandelt und die Kurfürsten verstießen mehrheitlich gegen ihren Eid, wonach sie ihre Stimme ohne alle Verabredung, Belohnung, Bezahlung oder Versprechung abzugeben geschworen hatten (Goldene Bulle, Kap. 2.2). Letztlich siegte demnach bereits 1376 der politische Pragmatismus über den Buchstaben des Gesetzes.

Urkunde Kaiser Karls IV. von 8. Juli 1376 in Aachen mit anhängendem Majestätssiegel. Lizenz: CC BY-NC-SA 3.0 DE des Hessischen Staatsarchivs Darmstadt
Urkunde Kaiser Karls IV. von 8. Juli 1376 in Aachen mit anhängendem Majestätssiegel. Lizenz: CC BY-NC-SA 3.0 DE des Hessischen Staatsarchivs Darmstadt
Transkription zur Urkunde Kaiser Karls VI. vom 8. Juli 1376 in Aachen, angefertigt von Lars Adler, HStAD
Transkription der Urkunde
Majestätssiegel Kaiser Karls IV. im Detail. Lizenz: CC BY-NC-SA 3.0 DE des Hessischen Staatsarchivs Darmstadt
Majestätssiegel Kaiser Karls IV. im Detail. Lizenz: CC BY-NC-SA 3.0 DE des Hessischen Staatsarchivs Darmstadt

Beglaubigt ist die Urkunde durch das in der Corroboratio angekündigte Majestätssiegel Kaiser Karls IV. (vnser keis(er)lichen maiestat Ingesigle), das er 1355 unmittelbar nach seiner Krönung annahm. In der Bildgestaltung orientiert sich das Siegel (d = 100 mm) am entsprechenden Exemplar Kaiser Ludwigs des Bayern. Dabei ist es allerdings das erste deutsche Kaisersiegel, auf dem die Umschrift Karolus Quartus Divina Favente Clemencia Romanor(um) Imperator Semper Augustus et Boemie Rex nicht in kapitaler oder unzialer Schriftform, sondern in gotischer Minuskel ausgeführt ist.

Lars Adler

Literaturhinweise:

Zur Urkunde – REGESTA IMPERII, Bd. VIII, Innsbruck 1877, Nr. 5641, S. 471; Schilp, Thomas: Die Reichs¬burg Burg Friedberg im Mittelalter, Marburg 1987, Nr. 418, S. 163-164. Zum Siegel – Posse, Otto: Die Siegel der deutschen Kaiser und Könige, Bd. 2, Dresden 1910, Tf. 3 Abb. 4 und 5; Volkert, Wilhelm: Die Siegel Karls IV., in: Kaiser Karl IV., Staatsmann und Mäzen, hrsg. von Ferdinand Seibt, 2. Aufl., München 1978, S. 308-312, hier S. 310 mit Abb.; Zur historischen Einordnung der Urkunde – Lies, Richard: Die Wahl Wenzels zum Römischen Könige in ihrem Verhältnis zur Goldenen Bulle, in: Historische Vierteljahrschrift 26 (1931), S. 47-95; Klare, Wilhelm: Die Wahl Wenzels von Luxemburg zum römischen König 1376, Münster u. a. 1990