Schwabenspiegel

[Schwabenspiegel:] Hie hebt sich an daß keiserlich landtrecht bůch

[Straßburg, Martin Schott, ca. 1483-93]

Erstbesitzer: ungeklärt

ULB Darmstadt, Inc. III 217

GW M40945

Der Kaiser thront unter den Kurfürsten, zu seiner Rechten die weltlichen, zur Linken die geistlichen
Der Kaiser thront unter den Kurfürsten, zu seiner Rechten die weltlichen, zur Linken die geistlichen

Das erst seit dem 17. Jahrhundert als „Schwabenspiegel“ bezeichnete Rechtsbuch stellt eine um 1275 erstellte oberdeutsche Bearbeitung des Sachsenspiegels von Eike von Repgow (ca. 1220-1235) dar. Entstanden unter Verwendung weiterer Rechtsquellen in Augsburg, wurde der Schwabenspiegel vor allem im oberdeutschen Sprachraum in vielen Handschriften unterschiedlicher Fassungen verbreitet. Er umfasste unter anderem Landrecht und Lehnrecht und damit Bestimmungen, welche die Verfasstheit des Reiches betrafen.

Noch im 15. Jahrhundert wurden unterschiedliche Fassungen des Spiegels gedruckt. Von den fünf erhaltenen Inkunabel-Ausgaben stammt die älteste (um 1473), zweispaltig in Großfolio, aus der Offizin Günther Zainers in Augsburg. Dem Text vorangestellt ist ein Holzschnitt, der den im Gebäudeinneren thronenden Kaiser unter den durch ihre Wappen identifizierbaren drei geistlichen Kurfürsten zu seiner Rechten und den vier weltlichen Kurfürsten zu seiner Linken zeigt; davor knien ein Kleriker und ein Laie mit einem Buch – wohl dem Rechtsbuch. Damit wird die zeitgenössische, durch die Goldene Bulle geprägte Auffassung illustriert, woher das kaiserliche Recht stammt. Ein vorangestelltes Register erschließt den Text. Eine einspaltige Ausgabe in Kleinfolio folgte, wohl 1475/6 bei Günther Zainer gedruckt, dann – vielleicht wegen guter Absatzchancen – weitere Ausgaben bei Anton Sorg in Augsburg (1480) und dem mit Günther verwandten Johann Zainer d.Ä. in Ulm (vor 1482), alle drei mit demselben, dem Erstdruck vergleichbaren Holzschnitt, jedoch mit einer Landschaft im Hintergrund.

Die vorliegende Ausgabe muss zwischen 1483 und 1493 entstanden sein, vermutlich in Straßburg in der Offizin Martin Schotts, der eine Tochter Johann Mentelins, des vermutlichen Lehrherren Günther Zainers, geheiratet hatte. Von dieser Ausgabe sind heute noch 17 Exemplare in öffentlichen Einrichtungen erhalten. Sie bietet fol.1v einen handkolorierten Holzschnitt, der unter Vertauschung der Anordnung der Kurfürsten rechts und links des Kaisers dem bei den Zainers und Sorg seit 1475/6 verwendeten nachempfunden ist und sich auf den Text fol.2r bezieht: Hie hebt sich an daß keiserlich landtrecht bůch gesetz und geordnet von den roemischen keisern und kurfürsten. Das Land- und Lehensrecht (107 foll.) hat neun große Zierinitialen, ein Register (8 foll.) mit einer Zierinitiale beschließt den Band. Im hinteren Einbanddeckel des Darmstädter Exemplars ist ein kolorierter Holzschnitt mit einem von zwei Rittern flankierten, thronenden Kaiser eingeklebt.

Gerrit Jasper Schenk

Literaturhinweise:

Schwabenspiegel Kleinfoliodruck edidit Officina Anton Sorg Augsburg, hrsg. von Karl August Eckhardt, 2. Aufl., Göttingen/ Berlin/ Frankfurt, 1974 (Bibliotheca rerum historicarum. Corpus Iuris Europensis 17,2), S. 5-21 und Faksimile von GW M40945, jedoch mit seitenverkehrtem Holzschnitt; Schwabenspiegel Grossfoliodruck edidit Officina Günther Zainer Augsburg, hrsg. von Karl August Eckhardt, 2. Aufl., Göttingen/ Berlin/ Frankfurt, 1974 (Bibliotheca rerum historicarum. Corpus Iuris Europensis 17,1), S. 5-11; Oppitz, Ulrich Dieter: Deutsche Rechtsbücher des Mittelalters, Bd. 1: Beschreibung der Rechtsbücher, Köln/ Wien 1990, S. 40f.; Harald Derschka, Schwabenspiegel, publiziert am 19.03.2012, in: Historisches Lexikon Bayerns, http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Schwabenspiegel (14.11.2016); http://gesamtkatalogderwiegendrucke.de/docs/SCHWABE.htm (13.11.2016); http://www.geschichtsquellen.de/repOpus_04228.html (13.11.2016).

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