Restaurierung und Bewahrung

Restaurierung und Bewahrung

Gedächtnis der Welt und Verantwortung vor Ort

Hs 3065
Die Goldene Bulle – das Kurkölner Exemplar
Der Einband dieser Handschrift entstand zur gleichen Zeit wie jener der Goldenen Bulle
Der Einband dieser Handschrift entstand zur gleichen Zeit wie jener der Goldenen Bulle
Pergamentfragmente aus dem Einband der Goldenen Bulle
Pergamentfragmente aus dem Einband der Goldenen Bulle
Hs 3065a
Lederfragmente aus dem Einband der Goldenen Bulle

Der Beruf des Restaurators hat sich mit der Zeit entwickelt und gewandelt. Während die Werkzeuge für die Restaurierung von Büchern im Wesentlichen dieselben geblieben sind, ist ein Wandel besonders bei der Herangehensweise, der Philosophie der Restaurierung zu konstatieren. Bis vor wenigen Jahrzehnten versuchte man zumeist, ein beschädigtes Buch in einen – oft rein hypothetischen – Originalzustand zurückzuversetzen. Statt eine solche „Rekonstruktion“ vorzunehmen, misst man heute den Gebrauchsspuren der Jahrhunderte einen wichtigen Quellenwert als Aussage über die Geschichte des Objekts durch die Jahrhunderte zu. Daher minimiert man die Eingriffe am historischen Objekt und konserviert oder sichert dieses in seiner gewachsenen Gestalt, um seine weitere Erhaltung und – wenn im Sinne der Bestandserhaltung möglich – Benutzbarkeit zu gewährleisten.

Das Darmstädter kurkölnische Exemplar der Goldenen Bulle ist in seinem ursprünglichen Einband erhalten, nur die früher als Füllmaterial verwendeten und mit der Zeit herausgetretenen Fragmente wurden vor 50 Jahren herausgelöst und werden seitdem separat aufbewahrt.

Bewahrt wird die in Form einer Handschrift gebundene Urkunde in der Bibliothek unter klimatischen Bedingungen, die für das verwendete Material ideal sind. Ihrem enormen Wert entsprechen die strengen Sicherheitsvorkehrungen. Weiterhin trägt auch die Digitalisierung zur Bestandserhaltung bei: Einerseits ermöglicht sie der Forschung weltweit den Zugriff auf den Text der Goldenen Bulle, andererseits entfällt für die meisten historischen Fragestellungen damit die Notwendigkeit einer Benutzung des physischen Originals.

Im Jahr 2013 wurde auf Empfehlung des Internationalen Komitees für das ‚Gedächtnis der Menschheit‘ die Goldene Bulle mit ihren sieben erhaltenen Ausfertigungen und damit auch das in Darmstadt befindliche Exemplar in das Weltdokumentenerbe der UNESCO aufgenommen. Das UNESCO-Programm „Memory of the World“ hat zum Ziel, wichtige Dokumente der Kulturgeschichte von außergewöhnlichem Wert der Menschheit digital zugänglich zu machen und für die Nachwelt zu sichern. Das Register umfasst derzeit 348 Dokumente aus aller Welt. Zehn Jahre zuvor wurde diese Anerkennung bereits einer anderen Handschrift der Universitäts- und Landesbibliothek zuteil – nämlich dem Gero-Codex, einem im Kloster Reichenau entstandenen Evangelistar des 10. Jahrhunderts mit reicher Bildausstattung.

Björn Gebert