Postinkunabel

Karl IV. (1316-1378) – Aurea Bulla siue || bulla Karolina

Köln, Cornelius von Zierikzee, 1501

Erstbesitzer: ungeklärt

ULB Darmstadt, Inc. I 7

GW 16084/ VD16 D 776

Links: Heilige Dreifaltigkeit, umgeben von acht Engeln. Rechts: Beginn der Goldenen Bulle auf Latein
Links: Heilige Dreifaltigkeit, umgeben von acht Engeln. Rechts: Beginn der Goldenen Bulle auf Latein

Die Postinkunabel, von der neben dem Darmstädter Exemplar noch 15 weitere bekannt sind, umfasst 24 Blätter und enthält nach dem Holzschschnitt auf fol. 1v eine kurze Inhaltsangabe und dann den lateinischen Text der Goldenen Bulle. Eine Kapitelübersicht fehlt, die Vorlage ist auf Grund der fehlenden Widmung – wie etwa an den Kölner Erzbischof beim in Darmstadt befindlichen Kurkölner Exemplar – nicht eindeutig zu bestimmen.

Der ursprünglich aus der Grafschaft Zeeland (Niederlande) stammende und zwischen 1489 und 1517 in Köln aktive Drucker Cornelius von Zierikzee war Dominikaner. Mehrere seiner Drucke sind mit Holzschnitten verziert. Im konkreten Fall bezieht sich der Holzschnitt wohl auf die Invocatio der Urkunde, die Anrufung der heiligen und unteilbaren Dreifaltigkeit, die auch im Bild dargestellt ist. Ein Bezug zum eigentlichen Inhalt der Urkunde ist nicht erkennbar. Damit scheint er primär eine ästhetische Funktion zu erfüllen, wie in gedruckten Rechtsbüchern nicht unüblich. Das hier gewählte Motiv passt gut zu einem möglichen Hauptadressatenkreis neben dem Kölner Bürgertum, der in der Universität und im dominikanischen Studium generale vermutet werden könnte.

Da im ausgehenden Mittelalter und darüber hinaus die Goldene Bulle immer mehr zum Synonym für das kaiserliche Recht im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation wurde, verstärkt sich auch seine Rezeption in der universitären Lehre. Dadurch findet sich gerade in Universitätsstädten eine sehr dichte Überlieferung von Abschriften und Drucken der Goldenen Bulle. Das Ausstellungsstück scheint in diesen Kontext der universitären Auseinandersetzung mit den kaiserlichen Rechten zu gehören, wofür ebenfalls spricht, dass es nicht gemeinsam mit anderen Rechtsbestimmungen, sondern als Einzelstück in einem kleinen Format gedruckt wurde.

Stephanie Eifert

Literaturhinweise:

Fritz, Wolfgang (Bearb.): Die Goldene Bulle Kaiser Karls IV. vom Jahre 1356. Weimar 1972; Heckmann, Marie-Luise: Zeitnahe Wahrnehmung und internationale Ausstrahlung. Die Goldene Bulle Karls IV. im ausgehenden Mittelalter mit einem Ausblick auf die Frühe Neuzeit (mit einem Anhang: nach Überlieferungszusammenhang geordnete Abschriften der Goldenen Bulle), in: Die Goldene Bulle. Politik – Wahrnehmung – Rezeption, hrsg. von Ulrike Hohensee, Bd. 2 (Berichte und Abhandlungen Sonderband 12,2), Berlin 2009, S. 933-1042.