Münzen

Westfälische Münzen

Münze zu ½ Stüber, Bronze, Münzmeister Remigius Fehr, Darmstadt 1805

Hoffmeister 4110, Schütz 3240

Leihgabe

!/2 Stüber-Münzen mit Abrieben
Vorder- und Rückseite der Münze sowie Abriebe davon

Der Erwerb des Herzogtums Westfalen stellte Hessen-Darmstadt vor große Herausforderungen. Die bislang nach Südwesten orientierte Landgrafschaft war aus den historischen Gebieten u.a. der Landgrafen von Hessen (um Gießen) sowie der Grafen von Katzenelnbogen (um Darmstadt und Braubach) und Hanau-Lichtenberg (um Pirmasens und Buchsweiler) erwachsen. Mit dem Reichsdeputationshauptschluss im Jahr 1803 wurden die Verbindungen nach Westen gekappt und der Besitz an Bergstraße, im Odenwald und in Oberhessen großzügig arrondiert. Die Ausdehnung nach Westfalen brachte dagegen die Expansion in einen Raum, der bislang keine engeren historischen, kulturellen oder ökonomischen Beziehungen zu Darmstadt unterhalten hatte. Konfessionell unterschied sich das katholische Herzogtum von den lutherischen Stammlanden des neuen Landesherrn.

Die wirtschaftliche Ausrichtung Westfalens zeigt sich nicht zuletzt in der Zugehörigkeit zum nordwestdeutschen Währungsraum: Während man in Darmstadt traditionell in süddeutschen Gulden und Kreuzern rechnete, war in Westfalen der Stüber die gängige Kleinmünze. Zur Deckung des regionalen Kleingeldbedarfs wurden 1805 unter dem Münzmeister Remigius Fehr in Darmstadt Münzen im Wert zu ¼ und ½ Stüber ausgeprägt. Sie tragen das gekrönte Monogramm des Landgrafen auf der Vorderseite und die Wertangabe auf der Rückseite. Die Parallelität verschiedener Währungssysteme innerhalb eines Staates war auch zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch keine Seltenheit. In dem benachbarten, 1807 neugeschaffenen Königreich Westphalen, wurden sowohl Münzen nach deutschem System wie auch in der aus Frankreich übernommenen Frankenwährung geprägt.

Die Kleinmünzen waren die einzigen Prägungen für Westfalen. Auf den größeren Nominalen finden sich weder in der Umschrift noch in der Wappendarstellung Bezüge zu der neuen Provinz. Die in der Frühen Neuzeit auch auf Münzen übliche Aufzählung verschiedener Herrschaftstitel unterblieb bei den Prägungen Ludwigs. Nach der Erhebung zum Großherzog 1806 fand allein dieser Titel Eingang in die Münzlegende, während in den gedruckten Edikten zusätzlich der Titel eines Herzogs von Westfalen regelmäßig erwähnt wurde.

Andreas Göller

Literaturhinweise:

Hoffmeister, Jacob C. C.: Historisch-kritische Beschreibung aller bis jetzt bekannt gewordenen Hessischen Münzen, Medaillen und Marken: in genealogisch-chronologischer Folge. Bd. 2. Kassel 1857, S. 435; Schütz, Artur: Die hessischen Münzen des Hauses Brabant. Bd. 5: Hessen-Rheinfels, Hessen-Darmstadt, Hessen-Homburg 1567-1871, Frankfurt 2000, S. 275.