Missale

Missale Franciscanum Romanae Curiae

Der Einband von Hs 949 wurde zur gleichen Zeit wie jener der Goldenen Bulle und ebenfalls in Köln angefertigt
Der Einband von Hs 949 wurde zur gleichen Zeit wie jener der Goldenen Bulle und ebenfalls in Köln angefertigt

Köln um 1360

Pergament, 501 Bl., 15, 8 x 12,3

ULB Darmstadt, Hs 949

Das Missale wurde 1803 von Landgraf Ludwig X. von Hessen-Darmstadt aus der Sammlung des Barons von Hüpsch in Köln erworben. Es stammt ursprünglich aus dem Kölner Franziskanerinnenkloster. Auf St. Clara deuten nicht nur Kalender und Text hin, sondern auch ein Besitzeintrag auf 219v: Iste liber est Vrezwindis de Malbůrch, orate pro ea fideliter.

Frediswindis von Malburg oder „syster Vreidswant van Malburgh“ bzw. „soror Freyzwindis“ war Schwester in eben jenem Klarissenkloster und ist um die Mitte des 14. Jahrhunderts als Stifterin einer Altartafel des Klosters und eines Graduales belegt. Das ihr ebenfalls gehörende vorliegende Missale ist wohl um 1360 von einer Hand geschrieben und mit zahlreichen Fleuronnée-Initialen in Blau, Rot und Gold geschmückt worden.

Zu sehen ist der Einband der Handschrift. Er ist aus dunkelbraunem Kalbsleder gefertigt, das über Holzdeckel gezogen wurde. Der Lederbezug ist mit Streicheisenlinien und Einzelstempeln in vier nebeneinander angeordneten Spalten und sechs untereinander stehenden Reihen verziert. Anordnung und Motive der Stempel ähneln in stilistischer Hinsicht sehr denen auf dem Einband der Goldenen Bulle bzw. denen der dort ehemals eingebundenen Fragmente XI und XIII (s. Hs 3065a): Es handelt sich um einen Adler und einen nach links steigenden Löwen. Beide werden in einem in einem Quadrat stehenden Vierpass wiedergegeben. Sie sind identisch mit Stempeln einer Kölner Handschrift, dem sogenannten „Kölner Eidbuch von 1372“, das sich heute im Historischen Archiv der Stadt Köln (Signatur: Best. 30/V, V4) befindet. Der Buchbinder dieser Handschrift – der „Meister des Kölner Eidbuches von 1372“ – arbeitete zur gleichen Zeit in Köln wie der „Meister der Goldenen Bulle“.

Ulrike Spyra

Literaturhinweise:

Eizenhöfer, Leo und Knaus, Hermann: Die liturgischen Handschriften der Hessischen Landes- und Hochschulbibliothek Darmstadt (Die Handschriften der Hessischen Landes- und Hochschulbibliothek Darmstadt 2), Wiesbaden 1968, S. 139-142; Schmidt, Adolf: Der Einband der Goldenen Bulle von 1356 in der Landesbibliothek zu Darmstadt, in: Buch und Bucheinband. Aufsätze und graphische Blätter zum 60. Geburtstag von Hans Loubier, Leipzig 1923, S. 105-117; Knaus, Hermann: Einbandstempel des 14. Jahrhunderts, zuerst erschienen in: Festschrift für Ernst Kyriss, Stuttgart 1961, S. 55-71; erneut gedruckt in: Knaus, Hermann: Studien zur Handschriftenkunde. Ausgewählte Aufsätze, München u. a. 1992, S. 223-234.