Landständepokal

Arnsberger Landständepokal

Arnsberger Landständepokal

vor 1667

Hessisches Landesmuseum Darmstadt, Inv. Nr. Kg 52:60

Westfälischer Landständepokal - heute im HLM Darmstadt
Arnsberger Landständepokal. Foto: Wolfgang Fuhrmannek, Hessisches Landesmuseum Darmstadt

Eine Besonderheit der Verfassung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation war die Übernahme weltlicher Herrschaftsfunktionen durch die höchste Geistlichkeit. So erstreckte sich die Herrschaft des Erzbischofs von Köln weitgehend über drei voneinander getrennt verwaltete Gebietskomplexe: das Erzstift Köln, das Vest (d.h. Gerichtsbezirk) Recklinghausen und das Herzogtum Westfalen. Die Kathedralstadt war seit dem Spätmittelalter als Reichsstadt bzw. Freie Stadt dem Einfluss des Erzbischofs entzogen, blieb aber Sitz des Domkapitels und der geistlichen Behörden.

In Westfalen hatten die Landstände, eine Vertretung aus Ritterschaft und Städten des Herzogtums sowie Vertretern des Domkapitels, Mitwirkungsrechte in der Landespolitik. 1667 stiftete der Kölner Erzbischof Maximilian Heinrich von Bayern als Herzog von Westfalen einen Prunkpokal mit der Maßgabe, dass dieser dauerhaft bei den Ständen verbleiben solle. Das prächtige Trinkgefäß, das als „Willkomm“ im Zeremoniell der Landtagssitzungen Verwendung fand, war vermutlich noch bis in die hessische Ära in Gebrauch. Nach der Übernahme der Regierungsgewalt durch Landgraf Ludwig X. wurde der Landtag 1803 ein letztes Mal einberufen, danach endete die lange Tradition der ständischen Repräsentation im Herzogtum.

Die Integration der verschiedenen Landesteile in ein neues Staatswesen wurde ein vorrangiges Ziel der hessischen Politik. 1803 wurde in Darmstadt eine zentralisierte Verwaltung eingerichtet, der Provinzialbehörden in den neuen Provinzen Starkenburg, Oberhessen und Westfalen nachgeordnet waren. Ständische Vertretungsorgane waren in dieser Ordnung nicht mehr vorgesehen.

Nachdem er seine zeremonielle Funktion verloren hatte, war der Landständepokal nur noch das Relikt einer untergegangenen Epoche. Als Liebhaber antiquarischer Altertümer hatte Großherzog Ludwig I. ein großes Interesse daran, den Pokal für seine Sammlungen zu erlangen. Auf die Nachfrage des Kabinettsekretärs Schleiermacher zögerte 1808 der Arnsberger Archivar Dupuis mit Rücksicht auf die Stiftungsurkunde, den Pokal herauszugeben. Erst auf nachdrückliche Anweisung seines Vorgesetzten brachte er das kostbare Stück schließlich auf den Weg nach Darmstadt.

Versuche, den Landständepokal nach dem Ende der hessischen Zeit in das nunmehr preußische Westfalen zurückzubringen, brachten keinen Erfolg. Bis heute ist der Landständepokal eine besondere Kostbarkeit des Hessischen Landesmuseums Darmstadt und zusammen mit der Goldenen Bulle ein bedeutendes Erinnerungsstück an die kurze Episode einer gemeinsamen hessisch-westfälischen Geschichte.

Andreas Göller

Literaturhinweise:

Glüber, Wolfgang: Arnsberger Landständepokal, in: Das Hessische Landesmuseum Darmstadt. Museumsführer, hrsg. von Lutz Fichtner, Regensburg 2015, S. 88; Ders.: Drei bedeutende Exponate aus dem Hessischen Landesmuseum Darmstadt, in: Vom Kurkölnischen Krummstab über den Hessischen Löwen zum Preußischen Adler. Die Säkularisation und ihre Folgen im Herzogtum Westfalen 1803-2003. Ausstellung vom 21.9.2003-4.1.2004 in Arnsberg, Sauerland-Museum des Hochsauerlandkreises, hrsg. von Ingrid Reißland, Arnsberg 2003, S. 120-125, 276-277; Gosmann, Michael: Der Arnsberger Landständepokal von 1667, Arnsberg 1997 (Städtekundliche Schriftenreihe über die Stadt Arnsberg 23).