Kurkölner Exemplar

Bulla aurea Caroli IV. Romanorum imperatoris

Über dem Einführungsgedicht wurde von späterer Hand nachgetragen, dass es sich um die Ausfertigung der Bulle für den Erzbischof von Köln handelt
Über dem Einführungsgedicht wurde von späterer Hand nachgetragen, dass es sich um die Ausfertigung der Bulle für den Erzbischof von Köln handelt

Metz oder Köln (?), 1356 oder 1357 (?)

Pergament, II + 36 + II Bl., 24,5 x 17,5

ULB Darmstadt, Hs 3065

Die Bulla aurea, die goldene Bulle, gilt als der ‚Verfassungstext‘ des Alten Reiches bis 1806 schlechthin. Seinen Namen erhielt er von dem anhängenden Goldsiegel (bulla aurea) Kaiser Karls IV. Das 1356 auf den Reichstagen zu Nürnberg und Metz verabschiedete Gesetz regelte u.a. die Rechte der Kurfürsten und die Wahl der deutschen Könige.

Hs 3065 ist eine von sieben erhaltenen Originalausfertigungen. Sie wurde entweder noch 1356 in Metz oder aber wenig später wohl von einem Lohnschreiber für den Kölner Erzbischof angefertigt. Bei letzterem handelte es sich um Wilhelm von Gennep (†1362), der maßgeblich an der Formulierung des Gesetzeswerks beteiligt war. Wo die Handschrift in Köln aufbewahrt wurde, ist unbekannt.

Als 1794 die französische Armee vor den Toren Kölns stand, wurde die Bulle zusammen mit weiterem Kölner Kulturgut wie etwa Handschriften der Dombibliothek in das rechtsrheinische Prämonstratenser-Chorherrenstift Wedinghausen bei Arnsberg gerettet. Allerdings fiel Wedinghausen samt den dort befindlichen kölnischen Schätzen 1802/03 an Hessen-Darmstadt. Zwar musste die Dombibliothek 1867 an Köln zurückgegeben werden, die Goldene Bulle verblieb jedoch in Darmstadt.

Hs 3065
Der zeitgenössische Einband der Goldenen Bulle in Darmstadt

Als einzige der Originalausfertigungen besitzt das Darmstädter Exemplar einen zeitgenössischen Einband: Dieser ist noch in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts im Umkreis des sogenannten „Meister der Eidbuchs von 1372“ in Köln entstanden. Er besteht aus dunkelbraunem mit Streicheisenlinien und Einzelstempeln verziertem Ziegenleder mit Umschlagsklappe in der Art eines Portefeuille. Als Füllmaterial der Buchdeckel wurden Fragmente älterer Einbände und juristischer Texte verwendet (s.a. Hs 3065a).

Ulrike Spyra

Literaturhinweise:

Fechner, Jörg-Ulrich/ Staub, Kurt Hans: Die Goldene Bulle Kaiser Karls IV. von 1356. Faksimile der Ausfertigung für den Kurfürsten von Köln mit einer Einleitung von K. H. Staub und J.-U. Fechner sowie einer Übersetzung von Konrad Müller, Darmstadt 1982; Katalogisat Hs 3065, in: Die mittelalterlichen Handschriften mit literarischen und fachliterarischen Texten der ULB Darmstadt (Die Handschriften der ULB Darmstadt 7), bearb. von Ulrike Spyra, i.Vb.

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