Krönungsordo

Coronatio Aquisgranensis mit Ordo und Canon missae

Köln, Fraterherren, um 1525/1530

Pergament, 49 Bl., 26 x 19

ULB Darmstadt, Hs 887

fol. 3r: Beginn des Aachener Krönungsordo in Hs 887
fol. 3r: Beginn des Aachener Krönungsordo in Hs 887

Die von zwei Händen in Textualis und Textura formata geschriebene Handschrift ist um 1525/ 1530 in Köln im Haus der Fraterherren St. Michael am Weidenbach entstanden. Darauf deuten stilistische Kriterien der Initialornamentik hin. Sie enthält das Messformular des Aachener Krönungsordo. Aus der gleichen Werkstatt stammen noch vier weitere Handschriften des gleichen Textes, von denen eine nachweislich bei der Krönung Ferdinands I. in Aachen am 11. Januar 1531 verwendet wurde. Ferdinand war – abweichend von den Regeln der Goldenen Bulle – am 5. Januar 1531 noch zu Lebzeiten seines Bruders Karls V. im katholischen Köln und nicht im protestantischen Frankfurt zum König gewählt worden.

Der zu Beginn des 14. Jahrhunderts von dem Lütticher Koadjutor Daniel Wichterich († 1342) kompilierte Text beginnt auf 3ra mit einer dreizeiligen A-Initiale mit goldenem Buchstabenkörper vor einem grünen Initialfeld mit vegetabilischen, abwechselnd hellblau- und rosafarbigen Ornamenten, das mit karminrotem Fleuronnée besetzt ist. Die Deckfarbeninitiale bildet den Anfang der Worte: Ad consecrandum seu coronandum regem Alemanie hoc modo procedatur.

Die Handschrift beschreibt die Krönung wie folgt: Die drei geistlichen Kurfürsten, die Erzbischöfe von Köln, Mainz und Trier, empfangen betend den zu Krönenden an der Kirchentür und geleiten ihn zu seinem Thron. Der Kölner Erzbischof beginnt die Messe, in deren Verlauf Weihehandlung, Salbung, Einkleidung, Ausstattung mit den Reichsinsignien und Professio des Königs vorgenommen werden. Anschließend erfolgen Salbung und Krönung der Königin, bevor noch vor der Kommunion der Pontifikalsegen über den König gesprochen wird.

Auf 31r zu Beginn des Canon Missae – dem feststehenden Teil der Messe – enthält die Handschrift eine prachtvoll gestaltet Zierseite: Die beiden Textspalten sind von einem rot grundierten Rahmen umgeben, auf dem zahlreiche Blüten und Tiere in der Regel mit Mariensymbolik zu erkennen sind, darunter Distel, Immergrün, Jungfer im Grünen (Kreuzkümmel), Nelke, Rose, Pfau, Schnecke und Schmetterling. Der Text beginnt mit einer roten mit Goldornamenten verzierten T-Initiale vor blauem, ebenfalls goldverziertem Grund, um die sich die eherne Schlange des Mose – das rettende Zeichen Gottes – windet (Sap 16, 5-11).

fol. 4v: Hier werden liturgische Handlungen am gewählten König beschrieben
fol. 4v: Hier werden liturgische Handlungen am gewählten König beschrieben
fol. 30r: Praefatio (Vorgebet), notiert in Neumen
fol. 30r: Praefatio (Vorgebet), notiert in Neumen

Ulrike Spyra

Literaturhinweise:

Goldinger, Walter: Das Zeremoniell der deutschen Königskrönung seit dem späten Mittelalter, in: Mitteilungen des Oberösterreichischen Landesarchivs 5 (1958), S. 91-111, bes. S. 92; Knaus, Hermann: Die Kölner Fraterherren, Handschriften und Einbände aus ihrer Werkstatt. Hugo Hepding zum 80. Geburtstag, in: Gutenberg-Jahrbuch 33 (1958), S. 335-352, bes. S. 348-352; Eizenhöfer, Leo und Knaus, Hermann: Die liturgischen Handschriften der Hessischen Landes- und Hochschulbibliothek Darmstadt, Wiesbaden 1968 (Die Handschriften der Hessischen Landes- und Hochschulbibliothek Darmstadt 2), S. 319-321.

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