Karte Frankfurts mit Krönungsszene

Rezeption im 18. Jahrhundert

Abbildung der Keys[e]rl[ichen] Freyen-Reichs-Wahl-und Handelsstatt Franckfurt Am Mayn. Mit ihrem Gebiet und Gräntzen vorgestelt von Ioh[ann] Baptist Homann. Cum Privilegio Sac. Caes. Majestatis. Nürnberg [ca. 1729-1750]. Kupferstich, koloriert.

Ca. 56 cm Breite, 48 cm Höhe

ULB Darmstadt, H 128 f Gü

Im Verlag des Nürnberger Kupferstechers, Kartographen und Verlegers Johann Baptist Homann (1664-1724) erschien eine undatierte Karte Frankfurts, der eine ältere Vorlage des Amsterdamer Kollegen Nicolaus Visscher für die kartographische Darstellung des Territoriums der Reichsstadt Frankfurt zugrunde lag. Seit 1702 betrieb Homann einen Verlag für Karten, der nach seinem Tod von seinem Sohn Johann Christoph Homann (1703–1730) und dessen Erben weitergeführt wurde, mit dem sie den führenden niederländischen und französischen Kartographen durch hohe Qualität bei niedrigeren Preisen Konkurrenz machten.

Eine Karte der für ihre Messen bekannten Handelsstadt am Main, die durch die Goldene Bulle als Wahl- und Krönungsstadt weiter an Bedeutung gewonnen hatte, versprach guten Absatz. Verkaufsfördernd wirkten neben der gelben Kolorierung des (nicht korrekt, da größer als tatsächlich eingezeichneten) Herrschaftsgebietes der Reichsstadt vermutlich auch die hochwertigen Bildkartuschen im unteren Kartendrittel.

Karte Frankfurts mit Kupferstichen
Karte Frankfurts mit Kupferstichen

Sie zeigen links eine Szene von einer Frankfurter Messe mit allegorischen Figuren, nämlich Mars als antiker Gott der Kaufleute (und Diebe), Moenus als Verkörperung des wichtigen Wasserweges, des Mains, sowie einen Putto mit Weintrauben, der auf die Bedeutung des Weinhandels verweist. In der Mitte ist eine Ansicht der Stadt zu sehen, vorne die Bastion von Sachsenhausen mit den Taunusbergen im Hintergrund, wohl von einem Merianstich vom Einzug König Gustav II. Adolfs von Schweden am 16.11.1631 abgekupfert. Rechts schließlich wird in einer vom Reichsadler bekrönten, mit Allegorien von Frankfurt (mit Mauerkrone) und Germania (mit Krone und Zepter) sowie einem Putto mit Füllhorn gerahmten Bildkartusche Frankfurt als Krönungsstadt (seit 1562) ins Bild gesetzt: Im Domchor der St. Bartholomäuskirche wird gerade dem gewählten König die Krone in Gegenwart der Kurfürsten aufgesetzt. Die Krönung erfolgte im Rahmen einer feierlichen Messfeier – entsprechend sind auf der Empore über Altar, Kreuz und Baldachin Musiker zu sehen. Die Teilnehmer sind streng nach Hierarchie und Funktion in Gruppen angeordnet, im Vordergrund stehen Schemel für den nach vorne getretenen Klerus, das (sicher vorausgewählte) ‚Volk‘ ist nur als verschwimmende Masse von Köpfen hinter den Absperrungen in den Seitenschiffen zu erahnen.

Der Verlag datierte neue Karten erst seit 1727, doch liefert dieses Krönungsbild einen Anhaltspunkt für die Datierung der Karte. Das Bild ist dem Kupferstich von Joseph von Montalègre (1672-1718) über die Krönung Kaiser Karls VI. am 22. Dezember 1711 nachempfunden, der das 1712 bei Zunner und Jung in Frankfurt erschienene Diarium dieser Krönung illustriert (VD18 90260724). Dieser Kupferstich wird also nach 1712 entstanden sein. Einen weiteren Anhaltspunkt bietet der am oberen Kartenrand abgedruckte Verweis, dass die Karte selbst mit kaiserlichem Privileg gedruckt wurde (Cum Privilegio Sac[rae] Caes[areae] Majestatis), worauf sich die Offizin Homann vom Sommer 1729 bis 1750 und von 1762 bis 1806 berief und auch ältere Karten in dieser Zeit mit einem entsprechenden Vermerk versah. Die Karte könnte daher auf einer bereits um 1712-1714 entstandenen Kupferplatte beruhen, die zwischen 1729 und 1750 überarbeitet und für den Druck des vorliegenden Exemplars genutzt wurde.

Gerrit Jasper Schenk

Literaturhinweise:

Klötzer, Wolfgang: Frankfurt am Main und sein Gebiet. Kupferstichkarte von Johann Baptist Homann, etwa 1712, Historisches Museum Frankfurt a.M., in: Frankfurt-Archiv. Ergänzungs-Edition, Bd. 2, hrsg. von Wolfgang Klötzer [Braunschweig 1988], zu Bl. FE 01019; Hochedlinger, Michael: Die Ernennung von Johann Baptist Homann zum kaiserlichen Geographen im Jahre 1715, in: Cartographica Helvetica. Fachzeitschrift für Kartengeschichte 24 (2001) S. 37-40; Heinz, Markus: Zwischen Qualitätsanspruch und Wirtschaftlichkeit: die Druckvorlagen, in: „Auserlesene und allerneueste Landkarten“. Der Verlag Homann in Nürnberg 1702-1848. Eine Ausstellung des Stadtarchivs Nürnberg und der Museen der Stadt Nürnberg mit Unterstützung der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz im Stadtmuseum Fembohaus vom 19. September bis 24. November 2002, hrsg. von Michael Diefenbacher/ Markus Heinz/ Ruth Bach-Damaskinos (Ausstellungskataloge des Stadtarchivs Nürnberg, 14), Nürnberg 2002, S. 78-87; Stoll, Simona: Die Kaiserkrönung Karls VI. (Abb. 2), in: Rituale und die Ordnung der Welt. Darstellungen aus Heidelberger Handschriften und Drucken des 12. bis 18. Jahrhunderts, hrsg. von Carla Meyer/ Gerald Schwedler/ Karin Zimmermann (Schriften der Universitätsbibliothek Heidelberg, 8), Heidelberg 2008, S. 22f. Nr. I.4.