Die Goldene Bulle Kaiser Karls IV. 1356-2016: das Kurkölner Exemplar in Darmstadt

Die Goldene Bulle Kaiser Karls IV. 1356-2016: das Kurkölner Exemplar in Darmstadt

Einleitung

Die Goldene Bulle Kaiser Karls IV. (1316-1378) ist einer der bedeutendsten Schätze der Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt. Benannt wurde sie nach dem Goldsiegel des Kaisers, das an einer Urkunde hängt, die in Form eines Buches gebunden ist. In der Goldenen Bulle wurden unter anderem die Königswahl im deutsch-römischen Reich geregelt und den sieben Kurfürsten als den Wählern des Königs wichtige Privilegien verbrieft. Sieben Exemplare in Originalausfertigung sind heute erhalten.

Die politische und rechtliche Bedeutung der Goldenen Bulle für das Reich bis zu seinem Ende 1806 kann kaum überschätzt werden. Die Bestimmungen über die Rechte der Kurfürsten wirken über die Ausbildung von Landesherrschaften bis heute in der föderalen Struktur der Bundesrepublik Deutschland weiter.

Die Jahreswende 2016/17 bot viele Anlässe, die Goldene Bulle einem größeren Publikum zu präsentieren. Einige standen mit der allgemeinen Bedeutung der Goldenen Bulle als ‚Verfassungsdokument‘ des Alten Reiches in engem Zusammenhang: Der 700. Geburtstag des namengebenden Kaisers, die 660 Jahre seit ihrer Verkündung im Jahr 1356 in Nürnberg und Metz und die 210 Jahre seit dem Ende ihrer rechtlichen Wirksamkeit als ‚Grundgesetz‘ des Alten Reiches. Weitere Anlässe standen mit der Geschichte des konkreten Dokuments in Darmstadt im Zusammenhang, das wohl 1357 für den Kölner Erzbischof Wilhelm von Gennep (1349-1362) als einem der Kurfürsten ausgefertigt und in Köln aufbewahrt wurde: Erst vor 215 Jahren wurden mit dem Frieden von Lunéville am 9. Februar 1801 die Weichen dafür gestellt, dass mit dem Herzogtum Westfalen auch das Kurkölner Exemplar der Goldenen Bulle, das 1794 aus Köln vor den Truppen Napoléons wohl ins Kloster Wedinghausen nach Arnsberg geflüchtet worden war, in den Besitz der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt gelangte. Im Jahr 2013 wurde es mit den anderen sechs Exemplaren in das Weltdokumentenerbe der UNESCO aufgenommen.

Zum Stellenwert als ‚Verfassungsdokument‘ und ‚Grundgesetz‘ des Alten Reiches am Beispiel der rechtlichen, zeremoniellen und rituellen Rolle der Kurfürsten

Zum Schicksal des Kurkölner Exemplars

Hs 3065a

Zur restauratorischen Bewahrung als kulturelles Erbe der Welt in Darmstadt

Gerrit Jasper Schenk