Frenken-Bericht

Die Suche nach der Goldenen Bulle des Kölner Erzbischofs

Frenken, Johann Wilhelm]: Das Schicksal der im Jahre 1794 über den Rhein geflüchteten Werthgegenstände des Cölner Domes, insbesondere die Zurückführung der Manuscripten-Bibliothek, Köln und Neuss 1868.

ULB Darmstadt, B Oh 83

ULB Darmstadt, B Oh 83
Der Kölner Domkapitular Frenken forschte 1866 in Darmstadt vergeblich nach der Goldenen Bulle

Als Liebhaber und Förderer von Kunst und Wissenschaft hatte Landgraf/Großherzog Ludwig X./I. eine Vielzahl wertvoller Objekte aus den verschiedenen, neuen Landesteilen in seine Darmstädter Sammlungen überführen lassen. Auf diese Weise gelangte auch kulturelles Fluchtgut in die hessische Hauptstadt, das vor den Franzosen auf das rechte Rheinufer in Sicherheit gebracht worden war, nun aber außerhalb seiner einstigen Herkunftsregion aufbewahrt wurde.

Bis zum Ende der hessischen Herrschaft in Westfalen war nur ein Teil der linksrheinischen Kunstschätze nach Darmstadt gekommen. Es war der Initiative der französischen Politik zu verdanken, dass etliche Kunstgegenstände und Preziosen, darunter der Dreikönigsschrein der Kölner Domkirche, von den verschiedenen Auslagerungsstätten wieder an ihre früheren Standorte zurückkehren konnten.

Ein anderes Schicksal widerfuhr der Kölner Dombibliothek: Sie wurde bis 1815 nach Darmstadt abtransportiert und verstärkte dort den Handschriften- und Altbestand der Hofbibliothek. Als nach dem Wiener Kongress Westfalen und das Rheinland unter preußischer Herrschaft vereint waren, gewannen die Bemühungen um eine Restitution der Kulturgüter neuen Schwung. Preußen reklamierte die Dombibliothek zwar für sich, unternahm aber zunächst keine nennenswerten diplomatischen Anstrengungen zu deren Rückgewinnung. Das Kölner Domkapitel beschritt den Rechtsweg und klagte auf die Rückgabe – jedoch ohne Erfolg. Schließlich waren es abermals politische Umwälzungen, die den weiteren Weg der Dombibliothek bestimmten. In der Auseinandersetzung zwischen Preußen und Österreich um die Zukunft des Deutschen Bundes stand das Großherzogtum 1866 auf der Seite der Verlierer. Im Friedensvertrag hatte der Großherzog nicht allein territoriale Verluste zu akzeptieren, sondern musste sich darüber hinaus ausdrücklich zur Rückgabe der Dombibliothek verpflichten. Um die zahlreichen Bände, die mittlerweile auf die unterschiedlichen Bestandsgruppen der Hofbibliothek verteilt waren, zu identifizieren, wurde der Kölner Domkapitular Dr. Frenken nach Darmstadt gesandt. Das Ziel der gemeinsamen hessisch-preußischen Recherchen war die Ermittlung jener Stücke, die sich 1794 in der Kölner Dombibliothek befunden hatten. Frenken erkundigte sich auch nach der Goldenen Bulle, hatte er doch bei seinen Aktenrecherchen den Hinweis gefunden, dass die Goldene Bulle am 16. Januar 1803 von Arnsberg nach Darmstadt geschickt worden war. In Darmstadt reagierte man ausweichend und vermutete die Verwechslung mit einer Urkunde Karls IV. für Friedberg. Auch wenn Frenken Zweifel blieben, verfolgte er die Spur nicht weiter. Er hatte sich Aufklärung darüber erhofft, ob die Bulle jemals zum Besitz der Dombibliothek gehört hatte und somit unter die Restitutionsbestimmungen fallen würde.

Heute wissen wir, dass die Goldene Bulle aus dem kurfürstlichen Archiv über Westfalen nach Darmstadt gekommen war. 1866 hätte es somit keine Rechtsgrundlage für die Rückgabe gegeben.

Andreas Göller

Literaturhinweise:

Zuflucht zwischen den Zeiten 1794-1803. Kölner Domschätze in Arnsberg, hrsg. von Michael Gosmann (Städtekundliche Schriftenreihe über die Stadt Arnsberg 19), Arnsberg 1994.