Dupuis

Mitteilung über die Versendung der Goldenen Bulle nach Darmstadt

Konzept, Arnsberg 19.01.1803

Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abteilung Westfalen, Großherzogtum Hessen, Landesbehörden Nr. II A 30b

Auszüge aus der Akte. Mit freundlicher Genehmigung des Landesarchivs Nordrhein-Westfalen. Eine Transkription ist als Download verfügbar.

Mit der Übernahme der Herrschaftsgewalt über das Herzogtum Westfalen im Jahr 1802 gelangte Hessen-Darmstadt auch in den Besitz der Archive des untergegangenen Kurstaats. Während die lokalen und regionalen Registraturen meist am Behördensitz verblieben waren, hatte das Schriftgut der kurkölnischen Zentralinstanzen wie auch des Domkapitels eine abenteuerliche Reise hinter sich gebracht. Die aus der erzbischöflichen Residenz Bonn geflüchteten Akten und Urkunden waren über mehrere Stationen in das Kloster Benninghausen und von dort schließlich nach Arnsberg gelangt, wo sie von den nunmehr hessischen Beamten gesichtet wurden.

Als „literarische Seltenheit“ und „schäzbares Dokument“ fand sich in den Unterlagen des Erzstifts das kurkölnische Original der Goldenen Bulle – eine große Überraschung, zumal in der juristischen Fachliteratur der Zeit die Existenz eines solchen Exemplars umstritten war. In der mit der Übergangsverwaltung beauftragten Westfälischen Organisationskommission war man sich der Bedeutung des Fundes vollends bewusst: Die Beamten hoben hervor, dass sowohl Kurbrandenburg wie auch Kursachsen über keine Ausfertigungen verfügten. Zudem bemühte sie sich um eine zeitliche Einordnung des Stückes und kamen dabei zu dem Ergebnis, dass es sich um ein Original handeln müsse. Die wertvolle Urkunde wurde mit dem hier gezeigten Bericht an die vorgesetzte Generalkommission nach Darmstadt gesandt, um von dort den Weg in das fürstliche Archiv zu finden.

Die Organisationskommission, der das Interesse des Landgrafen an historischen Objekten sicher nicht unbekannt war, beschränkte sich jedoch nicht auf die Weitergabe von Zimelien. Eher beiläufig verband sie mit der Verschickung der Urkunde ein weiteres Anliegen. Im Zuge der Neuordnung waren Unmengen an Schriftgut aus aufgelösten Behörden im Hinblick auf ihren aktuellen Nutzen für die neue Verwaltung zu bewerten. Unterlagen mit Bezug auf den linksrheinischen Teil des Kurstaates sowie vermeintlich redundante Akten, die einzelne Vorgänge aus der Perspektive sowohl der vorgesetzten wie auch der nachgeordneten Behörden dokumentierten, waren der Übergangsverwaltung eine Last. Die Organisationskommission verfolgte das Ziel, diese Akten nach Darmstadt abzugeben. Die Goldene Bulle war hierfür sicher nicht die schlechteste Werbung.

Andreas Göller

Literaturhinweise:

Oepen, Joachim: Das Schicksal der Archive des Kölner Domkapitels, des Erzstiftes sowie des Generalvikariates, in: Zuflucht zwischen den Zeiten 1794-1803. Kölner Domschätze in Arnsberg, hrsg. von Michael Gosmann (Städtekundliche Schriftenreihe über die Stadt Arnsberg 19), Arnsberg 1994, S. 159-171.